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Thema: Schwung: Wer erkennt sich hier wieder?


Ich habe ein schlechtes Gewissen. Diesem Foristen hatte ich schon vor Monaten versprochen, dass ich seinen Schwung ins Forum stellen werde. Auf der Festplatte habe ich aber nur noch seine Bilder gefunden (vorher und nachher) und nicht mehr die zugehörigen Daten.
Die Schläge vor der Stunde waren den Bildern nach zu urteilen wohl Slices. Wer Lust hat, schreibt seine Beobachtungen hier auf und in ein paar Tagen stelle ich dann die Nachher-Bilder rein. Der Portraitierte melde sich bitte per E-Mail. Sollte die Veröffentlichung der Bilder nicht mehr gewünscht sein, nehme ich sie selbstverständlich gleich wieder raus.

Gruß Oliver























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Hallo alle zusammen,

ja, das auf den Fotos bin ich!

Zum Schwung und Ballflug: Grundsätzlich sehr unkonstant getroffen, wenn gut dann auch eine schöne Länge. Ansonsten meistens Slice, auch mal Pulls geschlagen (allerdings nicht an diesem Tag). Dabei oft fette Treffer und auch den Ball mit der Hacke geschlagen.

Meine Stammvorgabe ist -34,2 und ich verhagele mir konsequent meinen Score mit den Ausflügen ins Rough oder in den Wald.

Was sagt ihr zu meinem Schwung? Welche Ansätze seht ihr? Oliver wird zum Abschluß den Nachher-Schwung reinstellen. Da bin ich schon gespannt.

Gruß,
Gunnar





Hallo Gunnar,

Folgendes habe ich gesehen:
Bild 1: Dein Griff scheint mir etwas zu stark, möglicherweise ein Vorgriff Deiner Slice-Bewegung, damit die Bälle nicht so weit nach rechts fliegen.

Bild 2 + 3: Dein Schläger ist im Rückschwung unterhalb der eingezeichneten Linie; dadurch und da Deine Hände vor dem Schlägerkopf sind, wird der Schwung zu flach, was im Abschwung kompensiert wird, durch eine Bewegung von außen nach innen. Die zu flache Ebene entsteht durch das Drehen der Schultern.

Im Aborschwung werden die Hüften gedreht, aber die Schultern gekippt (stelle Dir das Pendel einer Standuhr vor); drehst Du beides, dann kommst Du mit dem Schläger nicht mehr von innen an den Ball, deshalb gleicht der Körper diese Bewegung im Abschwung durch ein Kommen von außen nach innen. In Bild 7 hast Du annähernd die Schlägerstellung wie sie in Bild 2 sein sollte.

Bild 5: Hier sieht es so aus, als richtetest Du Dich auf — Anlauf holen zum Zuschlagen.

Bild 6 - 8: Die Gewichtsverlagerung auf den vorderen Fuß fehlt fast vollständig, das erkennst Du an der nicht angehobenen Ferse Deines hinteren Fußes. In Golf Magazin 11/2005 ist Michael Campbell abgebildet, wo dies sehr deutlich zu sehen ist. Außerdem ist der Release abgeschlossen bevor der Ball getroffen ist.

Bild 9: Dein linker Arm krümmt sich — ein so genannter Chicken Wing — wahrscheinlich aus Angst in den Boden zu schlagen und damit den Ball fett zu treffen.

Weiterhin ist eine Schaufelbewegung zu sehen: Im Golf ist es nicht wie in Rückschlagsportarten (Tennis, Badminton, Tischtennis), in denen ich den Ball hoch schlagen muss, um diesen in die Luft zu kriegen. Im Golf wird von oben auf den Ball geschlagen, der Ball fliegt dann durch den Loft des Schlägers von alleine in die Luft. Außerdem erhält man noch ein besseres Feedback, da der Ball sauberer getroffen wurde.

Hoffentlich helfen Dir meine Ausführungen.

Gruß
Thomas


Zuletzt bearbeitet: 09.02.06 15:05 von Administrator


Hallo Thomas,

vielen Dank für deine wirklich guten Beobachtungen und deine Ausführung.

T_Schoenborn_a:
Folgendes habe ich gesehen:
Bild 1: Dein Griff scheint mir etwas zu stark, möglicherweise ein Vorgriff Deiner Slice-Bewegung, damit die Bälle nicht so weit nach rechts fliegen.

Ja, ich zerdrücke gelegentlich den Griff und muss mich immer wieder disziplinieren, locker zu lassen, genau wie mit den Handgelenken, das eine folgt dem anderen. Mittlerweile bin ich auf den sanfteren Weg.

T_Schoenborn_a:
Bild 2 + 3: Dein Schläger ist im Rückschwung unterhalb der eingezeichneten Linie; dadurch und da Deine Hände vor dem Schlägerkopf sind, wird der Schwung zu flach, was im Abschwung kompensiert wird, durch eine Bewegung von außen nach innen. Die zu flache Ebene entsteht durch das Drehen der Schultern.

Das ist wohl mein Hauptfehler, wenn man es so sagen kann. Das habe ich mir aus lauter Verzweiflung mal angewöhnt, weil ich dachte, ich könnte damit den Ausse-Innen-Fehler abschalten – Pustekuchen – das machte alles nur noch schlimmer.

T_Schoenborn_a:
Im Abschwung werden die Hüften gedreht, aber die Schultern gekippt (stelle Dir das Pendel einer Standuhr vor); …

Das ist ein Satz mit dem ich richtig was anfangen kann! Solche Aussagen helfen mir ungemein daran zu denken wie ich mich bewegen soll. Danke. Nur das mit dem Pendel der Standuhr verstehe ich nicht ganz. Wo ist denn da die Hüfte?

T_Schoenborn_a:
…drehst Du beides, dann kommst Du mit dem Schläger nicht mehr von innen an den Ball, deshalb gleicht der Körper diese Bewegung im Abschwung durch ein Kommen von außen nach innen...

Das leuchtet mir ein und ich arbeite ständig mit „Trockenübungen“ daran, das von innen Schlagen zu fühlen und flüssiger werden zu lassen (zur starken Verwunderung meiner Frau, was ich da immer zwischendurch mache).

T_Schoenborn_a:
Bild 6 - 8: Die Gewichtsverlagerung auf den vorderen Fuß fehlt fast vollständig, das erkennst Du an der nicht angehobenen Ferse Deines hinteren Fußes. In Golf Magazin 11/2005 ist Michael Campbell abgebildet, wo dies sehr deutlich zu sehen ist. Außerdem ist der Release abgeschlossen bevor der Ball getroffen ist.

Auch wieder so eine Angewohnheit, da ich vorher die Hüfte sehr früh und viel zu schnell gedreht habe. Kommt wohl durch die Schlagtechnik beim Kampfsport, wo man die Power des Schlages über die Hüfte einleitet und später die Schultern dreht. Wahrscheinlich drehe ich deswegen auch die Schultern und kippe nicht.
Das Golf Magazin habe ich leider nicht, aber ich weiß was du meinst. Ich habe mir ein paar Schwünge bei Golfdigest angesehen.

T_Schoenborn_a:
Bild 9: Dein linker Arm krümmt sich — ein so genannter Chicken Wing — wahrscheinlich aus Angst in den Boden zu schlagen und damit den Ball fett zu treffen.

Das stimmt. Habe schon ein manches Mal so dermaßen in den Boden gehackt, dass es ein Wunder ist, dass ich mir das Handgelenk noch nicht gebrochen habe.

T_Schoenborn_a:
Hoffentlich helfen Dir meine Ausführungen.

Nochmals vielen Dank dafür. Sehr gut geschrieben und absolut verständlich für mich.

Gruß Gunnar


Zuletzt bearbeitet: 09.02.06 17:38 von Administrator


Gunnar ist ein gutes Beispiel für meine Art des Unterrichtens. »Nur das Wesentliche« bedeutet, dass ich das zuerst korrigiere, was den Ballflug am meisten verbessert und gleichzeitig den Schwung vereinfacht. Gunnars Muster (flach weg, von außen, geschaufelt) ist mein täglich Brot am Fleesensee. Oft ist die Schlagfläche noch offener und dann muss man da als erstes ran.
Mit dem Vorher-Schwung hatte Gunnar keine Chance auf einen Ball-Boden-Draw. Für mich ist dieser Schlag das Tor zu richtigem Golf. Alles andere ist eigentlich Hacken. Wobei man viel Spaß beim Hacken haben kann und manche damit auch erstaunliche Ergebnisse erzielen. Pros hacken allerdings nicht.

Es müssen jedoch Schlagfläche, Ebene und Zuschlagen (die drei Geheimnisse) stimmen, denn wer von außen kommt, bekommt zwar Ball-Boden-Kontakte, aber keinen Draw. Wer von innen kommt und löffelt, bekommt zwar Draws, aber keine sauberen Kontakte.

Das richtige Schlagen erlernen die meisten jetzt auch schneller, seit ich aktives Beugen unterrichte. Gunnar hat alles zusammen in 50 Minuten hinbekommen. Klar, ist sein Schwung noch nicht perfekt und sicher wird er wieder zurückfallen. Aber er hat wenigstens mal erlebt, was für Bälle man schlagen kann, wenn man so schwingt, und er hat sich selbst bewiesen, dass er anatomisch, neurologisch, motorisch und sonst wie in der Lage ist, diese Bewegung auch auszuführen.

Man könnte auch seine vorgeneigte Haltung korrigieren und sein flaches Kippen, aber das würde mindestens eine Stunde dauern und wenn der Schläger dadurch nicht besser an den Ball käme, nähme der Ball keine Notiz. Die Frage ist, ob Gunnar nach so einer Stunde glücklich nach Hause gefahren wäre?

Ich habe diese Frage für mich mit nein beantwortet, verurteile aber niemanden mehr, der zu anderen Ergebnissen kommt. Die Schüler stimmen eh mit ihren Füßen ab.

























Hallo Oliver,

Respekt, was für erhebliche Verbesserungen Du innerhalb einer Stunde bewirkt hast!

MfG

Sebastian



Vielen Dank Oliver für das Reinstellen meiner Schwungbilder und deinen Anmerkungen.

Oliver_Heuler_p:
Wobei man viel Spaß beim Hacken haben kann und manche damit auch erstaunliche Ergebnisse erzielen. Pros hacken allerdings nicht.

Wenn ich vorher keinen Spaß gehabt hätte, lägen meine Schläger schon längst auf den Grund des nächstgelegensten Teiches. Aber das mit den Ergebnissen ist halt noch nicht so und deswegen benötige ich doch einige Anweisungen.
Es ist ja immer erschreckend, wenn ich mich nach langer Zeit auf Video sehe. Doch diese 50 Minuten haben mich wirklich weiter gebracht.
Mit dem sofortigen Feedback bei eingeschalteten Monitor konnte ich meine Koordination, vor allem beim Wegnehmen, stark verbessern; fühle und sehe wie es sein soll.
Dazu kam noch das „Ebenenbrett“, wie ich es mal nennen möchte (ist in Olivers Pitchvideo zu sehen, mit dem ausgesägten Halbkreis) und dann ein einfacher Satz von Oliver, dass ich den Aufkleber meines Schaftes beim Wegnehmen auf den Filz des Brettes drücken soll.
So eine Aussage zusammen mit meiner Erinnerungs- und Vorstellungskraft hilft mir, meine Bewegung im Schwung immer wieder zu überprüfen. Genauso wie Thomas’ Satz:
T_Schoenborn_a:
Im Abschwung werden die Hüften gedreht, aber die Schultern gekippt (stelle Dir das Pendel einer Standuhr vor); …

Oliver_Heuler_p:
Klar, ist sein Schwung noch nicht perfekt und sicher wird er wieder zurückfallen.

Perfekt wird er wohl nie, muss er auch nicht. Ich glaube allerdings, dass ich nicht so stark zurückfallen werde wie es vorher war. Dies möchte ich gerne weiterführen und die Möglichkeit der Golflounge in Hamburg nutzen, meinen Schwung jetzt zeitnah über Scope aufnehmen zu lassen, ohne dass ich seit Oktober mehr als zwei Mal auf der Range war. Wenn es für euch in Ordnung geht und ich euer Wissen nochmals nutzen darf?

Oliver_Heuler_p:
Man könnte auch seine vorgeneigte Haltung korrigieren und sein flaches Kippen, aber das würde mindestens eine Stunde dauern und wenn der Schläger dadurch nicht besser an den Ball käme, nähme der Ball keine Notiz. Die Frage ist, ob Gunnar nach so einer Stunde glücklich nach Hause gefahren wäre?

Die vorgeneigte Haltung habe ich auch schon bemerkt. Nicht schön, ich denke da kann ich selber noch mal ran.

Oliver, was meinst du mit flaches Kippen und wie würdest du es korrigieren wollen?

Ich wäre bestimmt nicht glücklich aus der Trainingsstunde gegangen, wenn nur meine Haltung korrigiert worden würde, ich aber keine Fortschritte im Ballflug bemerkt hätte.
Vielen Dank Oliver. Wir werden uns sicher am Fleesensee bald wiedersehen. Es geht ja wieder los.
Gruß Gunnar




Hallo Gunnar,

die Standuhr sollte das Kippen der Schultern beschreiben, die Hüfte war hier nicht einbezogen: das Pendel der Uhr sind Arme, Hände und Schläger, die von den Schultern gekippt zu führen sind - das war die geistige Vorstellung.

Übrigens gibt Tiger Woods eine interessante Übung an, um das flache Wegnehmen des Schlägers zu verhindern: es werden zwei Schläger in Verlängerung zur Ziellinie vor den Ball und dahinter gelegt. Dann geht man in die Ansprechhaltung und führt im Rückschwung den Schläger bis zur 8-Uhr-Position(oder 4-Uhr, je nachdem wie rum einer schwingt) möglichst lange auf der Schlägerlinie zurück.

Das dabei entstehende Gefühl ist, als würde der Schläger nach vorne weggedrückt.

MfG
Thomas



Jetzt habe auch ich es verstanden, danke Thomas. Ich hatte mich gleichzeitig auf die Hüftbewegung konzentriert und bin deswegen ins Grübeln gekommen.

Dazu habe ich noch eine weitere Visualisierungshilfe gefunden.
Auf einer Golf-Lehr-DVD wurde beschrieben, wie die korrekte Hüftbewegung und die richtige Gewichtsverlagerung deutlich gemacht werden kann:
Man steht in der Mitte eines Uhrziffernblattes aus der Vogelperspektive betrachtet (Rechtshänder) in Ansprechposition. Dabei ist vorne 12 Uhr, rechts 3 Uhr, hinten (Rücken) 6 Uhr, links Richtung Ziellinie 9 Uhr. Beim Aufschwung soll man nun das Gewicht Richtung 4 Uhr verlagern. Beim Abschwung das rechte Knie Richtung 10 Uhr drücken. Dabei verlagert man sein Gewicht vom rechten auf den linken Fuß. Hört sich komisch an, funktioniert aber ganz gut.

Diese Vorstellung gepaart mit dem Pendel der Standuhr bringt mich, zumindest in Trockenschwüngen, dazu, dass ich die Schulter kippe und meine Hüfte schiebe. Ich werde das jetzt noch mal auf der Range testen. Und Tiger’s Übung mit den Schlägern werde ich auch gleich ausprobieren.

Gruß, Gunnar


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