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Thema: Waffen und Gewaltfreiheit — passt das zusammen?


Waffen und Gewaltfreiheit — wie passt das zusammen? Diese Frage stellt sich offensichtlich immer mehr Lesern oder Zuschauern. Die Frage kann ich nicht in drei Sätzen beantworten, aber ich versuche es so knapp wie möglich.:

Zunächst einmal ist der Ausdruck »gewaltfreie Kommunikation« problematisch:
1. Er drückt etwas aus, was man nicht will: »keine Gewalt«. Kann man das nicht positiv ausdrücken?
2. »Gewaltfreie Kommunikation« klingt so, als ginge es nur um eine Kommunikationsform. Es ist jedoch viel mehr.
3. Viele Leute meinen, sie hätten gewaltfrei kommuniziert, wenn sie sich höflich ausgedrückt, freundliche Begriffe verwendet und allgemeine Nettigkeit an den Tag gelegt hätten. Das ist es aber sicher nicht. Gewaltfreies Kommunizieren ist manchmal dezidiert nicht nett.

Ich werde deshalb künftig auch versuchen, den Begriff gewaltfreie Kommunikation (GfK) sparsamer zu verwenden. Das CNVC (center for non-violent communication) möchte auch nicht, dass jemand sagt, er lehre gewaltfreie Kommunikation, wenn er kein zertifizierter Trainer ist. Ich habe deshalb einen neuen Ausdruck: Er ist positiv und man kann damit ausdrücken, was man will; er ist nicht geschützt und er macht klar, dass es um mehr geht als um Sprache: die Philosophie der Freiwilligkeit (PdF). Der Ausdruck ist ja auch eng verwandt mit dem Begriff des Voluntaristen.

In der Wikipedia wird verständlich beschrieben, wie die Technik der GfK konkret aussieht, also die vier Schritte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation#Grundmodell_der_GfK

Ich versuche hier das Wesen der Grundhaltung der PdF in wenigen Punkten zusammenzufassen. Dass es auch vier Punkte sind, ist reiner Zufall, und ich denke, dass kein Student der GfK Einwände hätte und auch die Grundhaltung der GfK als richtig zusammengefasst gelten lassen würde.


Zuletzt bearbeitet: 10.07.10 17:30 von Administrator
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Die Philosophie der Freiwilligkeit — vier Schlüssel

Die Philosophie der Freiwilligkeit ist für mich die befriedigendste Antwort auf die Frage, wie man es schafft, in Frieden und glücklich mit sich und den anderen zu leben. Die folgende Grundannahme, ist der erste Schlüssel dieser Philosophie, um Konflikte zu vermeiden und bereits entstandene befriedigend zu lösen.

Die wohlwollende Grundhaltung

Die Grundannahme lautet: Alle Menschen tun in jedem Moment das aus ihrer Sicht Beste, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Diese Annahme unterscheidet sich ganz erheblich von der gängigen Konfliktbewältigung: Bis jetzt wird bei einem Konflikt in der Regel gefragt, »Wer hat recht bzw. unrecht?« oder »War die strittige Handlung moralisch oder unmoralisch?« Sobald das geklärt ist, soll derjenige, der angeblich Unrecht getan oder unmoralisch gehandelt hat, sich und dem anderen seine Schuld eingestehen und sich bei seinem »Opfer« ent-schuldigen. Wenn er sich dabei für sein kritisches Verhalten schämt, ist das nach vorherrschender Meinung ebenso nützlich wie angemessen. Diese Art der Strafe diene der Wiedergutmachung für das Opfer, sorge für die Läuterung des Täters und trage zur Abschreckung zukünftiger Täter bei. Soweit die Theorie der üblichen Konfliktbewältigung – aber wie läuft es in der Praxis?
1. Niemand will unrecht haben oder das Prädikat »unmoralisch« zugewiesen bekommen. Also gibt es einen endlosen Streit darüber, wer Recht hat.
2. Wird jemand schuldig gesprochen, fühlt er sich ungerecht behandelt und er wird die anderen dafür später einen Preis zahlen lassen. Die anderen, das sind möglicherweise Opfer, Ankläger, Zeuge, Richter und Vollzugsbeamter. Nicht selten spielt ein Mensch all diese Rollen gleichzeitig.
3. Sollte der Täter tatsächlich von seiner Schuld überzeugt worden sein, und verurteilt er sich jetzt selbst, hilft das auch niemandem, denn es besteht die Gefahr, dass jemand, der sich selbst den Stempel »unmoralisch« auf die Stirn gedrückt hat, sich damit die Genehmigung gibt, genau so weiterzumachen wie bisher, schließlich »ist« er ja so.
4. können wir doch nicht wollen, dass die Menschen aus der negativen Energie der Schuld, Scham oder Depression heraus die Bedürfnisse der anderen achten. Wünschenswert wäre doch, dass sie davon überzeugt sind, dass das Achten der Bedürfnisse anderer der Königsweg ist, um glücklich zu werden. Gleiches gilt für das Argument der Abschreckung. Glauben wir wirklich, dass sich echte Einfühlsamkeit aus Angst entwickelt?

Die Alternative: Empathie

Nehmen wir den Fall, bei dem jemand einen anderen zweifelsfrei belogen hat. Statt den Lügner nun moralisch zu verurteilen und ihn mit Moralpredigten zu beschämen, fragt man einfühlsam, welches Bedürfnis er sich mit der Lüge erfüllen wollte. Dahinter können natürlich in jedem einzelnen Fall ganz verschiedene Bedürfnisse stehen, aber nehmen wir einmal an, es sei das Bedürfnis nach Beachtung und Anerkennung. Statt nun dem anderen vorzuwerfen, wie verwerflich Lügen sind, ihm im Falle von Wiederholungsfällen Strafen anzudrohen und eine ungefragte Psychoanalyse als Beigabe zu servieren, wird der Anhänger der Philosophie der Freiwilligkeit vielleicht Folgendes fragen: »Warst du unzufrieden, weil du dir Anerkennung wünschtest und hättest du die gerne unabhängig von deinen Leistungen? So eine Frage könnte der Anfang eines Gesprächs sein, an dessen Ende meist klar wird, dass der »Täter« lediglich Bedürfnisse befriedigen wollte, die deshalb für jeden nachvollziehbar sind, weil sie universell sind. Er hat dazu leider eine ungeschickte Strategie verwendet, bei der die Bedürfnisse der anderen unberücksichtigt blieben. Hat der Täter Empathie für seine Gefühle und Bedürfnisse bekommen, entsteht fast immer Mitgefühl für sein Opfer und der Wunsch der Wiedergutmachung. Das ist jedoch jetzt keine erzwungene Wiedergutmachung, sondern dem Täter ein echtes Bedürfnis. Auch steigt so die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter beim nächsten Befriedigen eines Bedürfnisses auch die Bedürfnisse der Mitbetroffenen berücksichtigt.

Selbstverantwortung für Gefühle

Eine weiterer Schlüssel betrifft die Selbstverantwortung: Es ist nützlich, die Verantwortung für die eignen Gefühle zu übernehmen und nicht zu glauben, unsere Gefühle seien das Ergebnis von dem, was »da draußen« abläuft. Statt also zu sagen: »Ich fühle mich unwohl, weil du dies gesagt oder jenes getan hast«, sagt man »ich fühle mich unwohl, weil eines meiner Bedürfnisse nicht befriedigt ist.« Selbstverantwortung lässt sich auch noch auf andere Weise verleugnen; hierzu ist die so genannte Amtssprache hervorragend geeignet: »Ich musste das tun.« »Ich hatte keine Wahl.« »Befehl von oben.« »Ich hatte keine Zeit.« »So sind doch die Gesetze.«

Vertrauen in Bitten

Der letzte Schlüssel besteht darin, darauf zu vertrauen, dass der Verzicht auf Forderungen und Drohungen die Freude unter den Menschen mehrt und deren Leid mindert. Wer das verinnerlicht hat, der formuliert keine Forderungen mehr, sondern nur noch Bitten. Eine Bitte unterscheidet sich von einer Forderung dadurch, dass man sie auch ablehnen kann, ohne Nachteile befürchten zu müssen. Der implizite Zusatz einer echten Bitte lautet daher eigentlich immer: »Erfülle meine Bitte nur, wenn du ihr mit Freude nachkommen kannst und nicht aus Pflichtgefühl, um Scham, Schuld, Strafen oder Liebesentzug zu vermeiden oder weil du Belohnungen erwartest.«



Zu dieser philosophisch-psychologischen Grundhaltung kommt noch die rechts-philosophische, die ich hier beschrieben habe und die bei einigen GfKlern auf Widerstand stoßen könnte: http://www.voluntarist.de/philosophie-kurz/
Marshall Rosenberg war bei der Vorstellung allerdings erstaunlich aufgeschlossen.

Der Voluntarist zeichnet sich also durch maximale Toleranz aus: Er lässt jeden machen, was er will, wenn er dabei nicht das Leben, die Freiheit oder das Eigentum anderer verletzt. Und so lässt sich diese Haltung auch mit dem Besitz von Waffen in Einklang bringen. Sie ließe sich natürlich nicht in Einklang bringen mit Überfällen, Morden oder Entführungen. Die Frage lautet also eigentlich viel eher: Wie passen Gewaltlosigkeit bzw. Freiwilligkeit und Politik zusammen? Und darauf habe ich keine Antwort, denn initiierende Gewalt und Zwang sind die Grundlagen der Politik. »Gewalt« rührt von dem althochdeutschen Verb »waltan« her, was so viel bedeutet wie »beherrschen«. Von Gewalt kann man also sprechen, wenn ein Einzelner oder eine Gruppe über andere herrscht und Gebote wie Verbote erlassen werden — so wie in der Politik. Wenn der Staat den Bürger zwingt, Steuern zu zahlen, auch wenn der das nicht möchte, ist das eine Form von Gewalt. Auf Steuern, die nicht freiwillig sind, basiert aber unser gesamtes System.



Hallo Oliver.
Wie fändest du es, wenn einige Leute in deiner Nachbarschaft (vor der Zündung völlig strahlungslose) Atombomben in Ihren Kellern liegen hätten?

Ich bin gerade auf diesen Gedanken gestoßen und finde ihn äußerst interessant. Ich finde nämlich alle deine Argumentationsstränge sehr schlüssig und stimme Dir in (fast) allen Punkten zu.
Trotzdem war mir der Gedanke, mein Nachbar könnte in einer Voluntaristen-Gesellschaft eine Atombombe besitzen, nur weil er es cool findet, sehr befremdlich.
Auch kann ich jetzt allen "Waffengegnern" in ihrem Bedürfnis nach Sicherheit&Harmonie viel besser nachfühlen. Viele Personen können es sich einfach nicht vorstellen, warum man eine Waffe haben sollte, wenn man niemanden ermorden will.
Ich selber kann es mir einfach nicht vorstellen, warum jemand eine Atombombe haben sollte, wenn man niemanden ermorden will.
Trotzdem will ich es ihm nicht verbieten?!

Über eine Reaktion würde ich mich freuen

Gunnar




Hallo Gunnar,

eine voluntaristische Gesellschaft würde sich von der demokratischen Gesellschaft dadurch unterscheiden, dass es kein Gewaltmonopol gibt. Die Menschen hätten erkannt, dass Gewalt nicht das richtige Mittel ist, gesellschaftliche Probleme zu lösen.
Diese Gesellschaft hätte die „Nichtinitiierung von Gewalt“ zum moralischen Prinzip erklärt, welches universelle Gültigkeit hat. Die einzige Gewalt, die moralisch zu rechtfertigen wäre, ist die Selbstverteidigung.
Andere Dinge hätten sich in einer voluntaristischen Gesellschaft jedoch nicht verändert. Die Menschen hätten nach wie vor ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit, denn es gäbe immer noch Menschen, die sich nicht um moralische Prinzipien kümmern.
In so einer Gesellschaft würden die Gesetze eines absolut freien Marktes herrschen. Jeder könnte anbieten oder kaufen, was er wollte. Wenn sich zwei einigten, können sie vereinbaren, was immer sie für richtig hielten.
Da fast alle Menschen (ich glaube sogar alle) dieses Bedürfnis nach Sicherheit haben, würden sie sich private Agenturen suchen, die alle möglichen Dienstleistungen rund um die Sicherheit anböten. Da das Gewaltmonopol „Staat“ weg wäre, gäbe es einen riesigen Markt, mit ungeheurer Nachfrage.
So könnten beispielsweise Versicherungen die Dienstleistungen der Gerichtsbarkeit über unabhängige Richter ( die dann eben von der Versicherung bezahlt würden ) anbieten. Sie könnte über private Detekteien Ermittlungen anbieten, die dann vor diesen Richtern verhandelt würden.
Da es in jedem Bereich einen freien Wettbewerb gäbe, stünden sowohl die Versicherungen, die Richter als auch die Detekteien im Wettbewerb miteinander und würden im Vergleich zu heute eine viel bessere Dienstleistung zu einem viel günstigeren Preis anbieten.
Der Umfang des Angebots wäre abhängig von der Nachfrage. Wenn es jetzt einen begründeten Verdacht gäbe, dass Menschen Atombomben in ihren Kellern lagern könnten, wäre die Nachfrage nach einem Schutz vor diesen Atombomben groß. Die Menschen könnten zu Ihrer Versicherung gehen und eine Zahlung in Höhe von 1 Million fordern, wenn in der Nachbarschaft Atomraketen lagern würden.
Was würde die Versicherung nun tun? Sie würde dieses Risiko versichern, da die Wahrscheinlichkeit sehr gering wäre, sich aber durch die hohe Nachfrage sehr viel Ertrag erwirtschaften ließe. Das würden in dieser Gesellschaft dann wohl alle Versicherungen so machen. Als nächstes würden sie in ihre Police Vertragsstrafen in Millionenhöhe einfügen, wenn jemand tatsächlich Atombomben in seinem Keller lagert.
Sollte jemand jetzt wirklich eine Atombombe kaufen wollen ( auch nicht ganz billig ), könnte er vorher seine Versicherung kündigen. Da er nun aber keine mehr hätte, würden andere Menschen mit ihm aber kaum noch Geschäfte machen oder Handel treiben, da ja keine Versicherung mehr dafür garantierte, dass diese Person Verträge einhält.
Kündigte er nicht, bekämst Du Geld. Würde sie nicht gefunden werden, wäre es wie heute.

Es ist viel zu einfach eine voluntaristische Gesellschaft mit Mad Max gleichzusetzen. Ein wirklich freier Markt regelt dann, wenn seine Mechanismen funktionieren können und nicht durch ein eingreifendes Gewaltmonopol kaputtgemacht werden. Ob er es in der oben geschilderten Weise regeln würde, weiß ich nicht. Es wäre aber eine mögliche Alternative zu unserem Gewaltmonopol. Es würden sich sicherlich viele Möglichkeiten ergeben, sich vor Verbrechern zu schützen, wenn die Menschen sich nur frei welche ausdenken dürften. Aber wir haben ja keine Wahl.

Wer garantiert denn heute, dass Dein Nachbar keine Atombombe irgendwo auf dem Schwarzmarkt gekauft hat? Niemand!
Was könnte der Staat dagegen tun? Nichts!
Was würdest Du bekommen, wenn eine Atombombe im Keller Deines Nachbarn gefunden würd? Nichts!

Warum nicht? Weil der Staat völlig ungeeignet ist, effektiv zu sein. Er schafft nur die Illusion, dass seine Dienstleistungen von niemand anderem Angeboten würden, wenn es ihn nicht gäbe.
Er gibt den Menschen die Illusion von Sicherheit, mit der Folge, dass diese sich nicht selbst um ihre Sicherheit kümmern und leicht zu Opfern derer werden, die täglich beweisen, wie schlecht der Staat uns vor Gewalt schützt.

Gruß
Hauke



Welches Szenario beschreibt denn die aktuelle Situation in Mexiko?
Wie würde eine libertäre Gesellschaft auf eine andere "Macht", die sich m.M. nach bei dem Wegfall der Staatsmacht immer etablieren wird (menschliche Gier, Machtanspruch) reagieren?
Was passiert seit Jahrhunderten in Afghanistan? Regelt sich dort auch der Markt über die Bedürnisse der Einzelnen? Staatsmacht ist dort nicht vorhanden. Steuern zahlt dort niemand.


Nick



Hallo Hauke,
schönen Dank für deine ausführliche Antwort, an der ich jedoch gerade nichts auszusetzen oder zu ergänzen habe.
Besonders der Teil, in dem du die Funktion der Versicherungen in Bezug auf die Atombomben erläuterst, hat mir gut gefallen.
Danke

Gruß
Gunnar



Hallo Nick,

Deine Frage geht schon so sehr ans Eingemachte, dass sie sich nicht in einem Dreizeiler beantworten lässt. Der Grund dafür ist einerseits, dass ich die Antwort nicht kenne, da die Diskussion über eine Gesellschaft ohne Gewaltmonopol bis jetzt ja rein theoretisch geführt wird.
Es gibt in der Geschichte nur wenige Beispiele „freier“ Gesellschaften, die über kurze Zeiträume relativ erfolgreich waren. Andererseits wissen wir anhand der Geschichte unserer Zivilisation, welche Varianten der Gesellschaftsordnung nicht funktionieren. Eine davon zeigst Du uns ja mit dem Beispiel in Mexico, wo das Gewaltmonopol in Bezug auf Deine Fragestellung sich als nicht effektiv erweist.

Andererseits glaube ich nicht, dass man an die Frage eines Alternativsystems so herangehen kann, dass man sich vorstellt, morgen gäbe es einfach keinen Staat mehr.
Die Tatsache, dass die Menschen immer wieder regiert werden wollen, hat ja Gründe, die sich nicht von heute auf morgen ändern.
Die Menschen suchen sich politische Anführer, weil sie glauben, dass sie sie brauchen. Sie glauben es gäbe jemanden, der im Besitz der Weisheit wäre, die Wohlstand und Sicherheit für alle gewährleistet. Das ist jedoch nur eine Illusion. Diesen wissenden politischen Führer gibt es nicht. Wenn Du ehrlich zu Dir selbst bist und die gewählten Volksvertreter rund um den Globus ansiehst, wirst Du wissen, dass das so ist.

Wenn wir uns über so eine freie Gesellschaft Gedanken machen, dürfen wir nicht den Fehler machen, sie mit einem Ideal zu vergleichen. Ein Schlaraffenland für alle wird es nie geben.
Wir müssen Sie mit dem vergleichen, was wir haben und wenn sie ein klein bisschen erfolgreicher wäre, also ohne Kriege, ohne Demozid, ohne totaler Überschuldung unserer noch ungeborenen Kinder und Enkel, ohne Gefängnis für die falsche Pflanze in der Hosentasche usw., dann wäre es schon ein großer Erfolg.

Um das vielleicht in vielen Generationen zu erreichen, müssen jedoch erst die Vorraussetzungen geschaffen werden.
Die Menschen müssen ohne Gewalt leben wollen. Im Moment bevorzugen wir Gewalt als Lösung unserer Probleme. Wir geben einer kleinen Gruppe von Menschen, die weder intelligenter, noch moralischer sind, als wir, das Recht, die Regeln des Zusammenlebens zu bestimmen und diese mit Waffengewalt durchzusetzen.
Wir tun das, weil wir glauben, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als Gewalt auszuüben um uns vor Gewalt zu schützen, denn wir wurden sowohl in der Familie, als auch in der Schule so programmiert.

Ich weiß, dass ich Deine Frage bisher nicht beantwortet habe, und das ist Absicht. Ich habe Interesse an einer interessanten Diskussion, die aus Neugierde geführt wird und geprägt ist vom wirklichen Interesse. Kein Interesse habe ich an einem Austausch von Totschlagsargumenten, die nur den Zweck haben, zu „siegen“ und den Gesprächspartner mundtot zu machen.

Da ich die Neugierde bei Dir vermute, freue ich mich auf eine weitere Unterhaltung.

Zum Thema Mexico frage ich mich, ob die Drogenbarone wohl diese Macht auch in einer freien Gesellschaft erlangt hätten, in der es kein profitables Geschäft mit illegalen Drogen gäbe. Drogen wären genauso handelbar wie Salat und ich kann mir keine Gruppe von Salathändlern vorstellen, die die Macht übernehmen wollen.

Hier übrigens ein interessanter Link zum Thema Legalisierung von Drogen.
http://www.time.com/time/health/article/0,8599,1893946,00.html#ixzz0vOLKV3OP

Gruß
Hauke




Um diese lebhafte Diskussion noch etwas anzuheizen, fange ich mal an, zu beschreiben, welche Möglichkeiten eine voluntaristische Gesellschaft meiner Meinung nach hätte, sich vor einem machthungrigen Aggressor (Drogenbaron)zu schützen, der alle Macht an sich reißen und die friedlich zusammenlebenden Menschen nun mittels Gewalt und Zwang um ihre Freiheit, ihre Sicherheit und ihr Erspartes bringen will.

Zur Verdeutlichung: Diese freie Gesellschaft hätte dem legalisierten Monopol auf Gewalt abgeschworen und erkannt, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, den Bedarf nach Sicherheit usw. auch mittels privater Organisationen zu befriedigen.
Die Menschen hätten ihre Freiheit und ihren Wohlstand zu schätzen gelernt und das natürliche Recht, sich auch mit Waffengewalt gegen diesen Aggressor zur Wehr zu setzen. Falls sie das nicht selber tun wollten, könnten sie andere private Organisationen ( Versicherungen ) damit beauftragen und durch Beiträge finanzieren. Diese Versicherungen würden ein entsprechendes Sicherheitspaket anbieten, weil die Nachfrage ganz einfach riesig wäre.
In der „Gründungsphase“ einer voluntaristischen Gesellschaft wäre die Angst vor einem neuen Gewaltmonopol sicher besonders groß und die Versicherungen würden sehr viel Engagement in Prävention stecken. Sie würden über ihr Policensystem hohe Kontrollmöglichkeiten haben, um zu erkennen, ob jemand die Macht an sich reißen will.

Drogenbarone gäbe es nicht, da Drogen legal wären. Niemand hat heute Angst davor, dass Microsoft plötzlich andere Interessen entwickelt als mit Software Geld zu verdienen.
Menschen oder Unternehmungen, die davon leben, Produkte oder Dienstleistungen anzubieten, sind auf die Zufriedenheit und das Vertrauen ihrer potentiellen zukünftigen Kunden angewiesen. Wenn sie keine entsprechende Lobby mehr hätten und nicht mehr unter dem besonderen Schutz einer Regierung stünden, wären sie gut beraten, alles Menschenmögliche zu unternehmen, um dieses Vertrauen aufrecht zu erhalten, sonst wären sie quasi über Nacht vom Markt verschwunden.
Sie würden freiwillig offen mit der Sorge nach einer gewaltsamen Machtübernahme umgehen müssen, wenn diese denn groß genug wäre.

Sollte es tatsächlich so weit kommen, dass alle Kontrollen scheitern, alle Warnsignale verpuffen und sich dennoch ein neues Gewaltmonopol zu bilden versuchte, dass plante, den Menschen vielleicht die Hälfte des Eigentums zu stehlen, sie für Nichtigkeiten ihrer Freiheit zu berauben oder sie gar als gezwungene Söldner in fremde Ländern zu schicken, um dort gegen andere gezwungene Söldner auf Leben und Tot zu kämpfen, dann wäre es wie heute und jeder Bürger hätte das Recht von seiner Waffe gebrauch zu machen und sich zu wehren.

Dass eine Gesellschaft, die bewaffnet ist und an etwas glaubt, nicht zu schlagen ist, sehen wir an Afghanistan, Somalia und anderen Kriegsgebieten. Das Problem in diesen Ländern ist nur, dass dort geglaubt wird, Gewalt löse Probleme.
Dieser Glaube muss erst rauswachsen.

Soweit ein Vorschlag, der als Diskussionsgrundlage dienen soll und keinerlei Anspruch auf Perfektion erhebt..
Nick, vielleicht könntest Du auch einen Vorschlag machen, wie sich Deiner Meinung nach eine voluntaristische Gesellschaft gegen Aggressoren schützen könnte.

Gruß
Hauke




Der Dalai Lama zum Thema Waffen:

One girl wanted to know how to react to a shooter who takes aim at a classmate.

The Dalai Lama said acts of violence should be remembered, and then forgiveness should be extended to the perpetrators.

But if someone has a gun and is trying to kill you, he said, it would be reasonable to shoot back with your own gun. Not at the head, where a fatal wound might result. But at some other body part, such as a leg.

> Quelle: Seattle Times

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