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Thema: Gold und Silber


Darf man fragen, warum Du unter Marktwert verkaufst? Wirst Du jetzt auch noch subversiv gegen die Marktwirtschaft tätig?

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Wenn ich zum Marktwert anböte, würde ich es ja nicht los. Im Zweifel kauft man doch lieber beim Händler. Ich könnte ja Silberfälscher sein.
Und ich bin auch nicht bearish in Bezug auf Silber geworden. Ich will lediglich diversifizieren. 80% Gold und Silber und nur 20% Shorts ist mir inzwischen doch etwas zu forsch. Neues Ziel: 1/3 von allem bis maximal 50% Shorts.


Zuletzt bearbeitet: 25.11.11 22:04 von Administrator


Hallo Oliver,
vielleicht solltest Du genauer beschreiben auf was Du short gehst.
Erste Möglichkeit wäre, dass Du Deine Edelmetalle absichern willst und z.B. short auf Gold und Silber gehst, was ich nicht glaube, da 50% short dafür meiner Meinung nach viel zu viel wäre.
Zweite Möglichkeit wäre, dass Du short auf die Aktien und Anleihen gehst.

Wenn man das nicht genau weiß, könnte Deine Ankündigung für Verwirrung sorgen.



Wenn man das nicht genau weiß, könnte Deine Ankündigung für Verwirrung sorgen.

Ich stelle auch fest, dass die Märkte ganz sensibel auf meine Kommentare im Golfforum reagieren.
Ich bin short in Aktien.



> Insolvenz MF Global



Gold zu Silber = 1:1 und nicht 1:15?
> Chris Martenson zu dieser Frage








via BfRP



Die Fed sagt, sie habe kein Gold:





> Die große Blase des Warren Buffett



Hi Oliver,
Verschiedene Dinge missfallen mir an dem Boehringer-Blog. Zunächst ist da der aufgeregte, teils aggressive Ton. Der lenkt zumindest mich davon ab, mir in Ruhe Gedanken zu den vielen Details zu machen, die erkenntnistheoretisch nicht anspruchslos sind. Das andere ist die fachliche Argumentation, die für den Finanzer nicht immer befriedigend anmutet.
Zunächst kurz zu Buffett und dem Investieren an sich:
Die Meinung von Herrn Buffett sollte man zunächst einmal so akzeptieren, wie sie ist, das gebietet die Gewaltfreiheit, oder nicht? Welchen Wert man als erkenntnisorientierter Finanzwirt aus der Aussage ziehen kann, steht auf einem anderen Blatt. Warren Buffett hat es mit Kapitalanlagen zu immensem Reichtum gebracht. Weiß er mehr als andere? Sollte ich mich auf seine Meinung verlassen, weil er große Erfolge vorzuweisen hat?
Wenn ich Investitionsentscheidungen träfe, indem ich mit Dartpfeilen auf den Börsenteil einer Zeitung würfe, würde ich denken, dass ich in etwa eine 50% Chance hätte, „den Markt“ zu schlagen. Viele hunderttausend Menschen auf diesem Planeten tun genau das. Das bemerkenswerte ist nicht Warren Buffetts Erfolg, sondern die Tatsache, dass wir nur einen Warren Buffett haben und nicht dutzende! Allein der Zufall sollte für eine gewisse Anzahl an extrem erfolgreichen Investoren sorgen. (Die Übung mit dem Pfeil müssten viele Menschen nur häufig genug wiederholen.) Neueste Studien schätzen den Anteil an Fondsmanagern, die in der Lage sind, gegebene Benchmarks zu schlagen, auf 0,6%. Wir sollten nicht versuchen, Warren Buffett zu verstehen, sondern erforschen, was all diese anderen Finanzjongleure falsch machen.
Ein weiterer Punkt betrifft das Verständnis von Stochastik. Wir können also die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Gold nicht mag und Value Investing betreibt, der wirklich exzeptionell erfolgreich ist, auf 100% taxieren (wir bleiben bei dem Gedanken, dass wir nur Warren Buffett in diese Kategorie der extrem Erfolgreichen verorten). Mit einem Auge auf das Theorem von Bayes stellen wir fest, dass wir daraus leider nichts lernen in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit, sehr erfolgreich zu investieren gegeben, dass man Value Investing betreibt. Dieses Problem ist aus vielen anderen Bereichen bekannt. Sozialpolitiker verwechseln beispielsweise häufig die Wahrscheinlichkeit, dass ein Konsument harter Drogen vorher weiche konsumiert hat mit der Wahrscheinlichkeit, dass jemand von weichen später auf harte Drogen umsteigt. Damit ist nicht gesagt, dass Value Investoren nicht gute Performances erzielen würden. Im Gegenteil, der Erfolg von Value Investing ist eines der wenigen gut belegten empirischen Phänomene, die der Markteffizienzhypothese widersprechen. Dazu zählt noch die Beobachtung, dass Smallcaps höhere (risikoadjustierete) Renditen erzielen als Largecaps und die Tatsache, dass Trends sich kurzfristig fortsetzen (Momentum). In jeder empirischen Kapitalmarktstudie muss man, egal ob Bachelorstudent oder Professor, für diese Effekte kontrollieren. Die entsprechenden Daten gibt es dazu auf Ken Frenchs Homepage, meines Wissens ein überzeugter Vertreter der Effizienzmarkthypothese. Der Value-Effekt lässt sich in der Tat in letzter Zeit weniger stark beobachten und auf dem deutschen Markt zumindest in den letzten Jahren überhaupt nicht mehr. Das mag vielleicht mit den alten makroökonomischen Hypothesen zu tun haben, von denen Herr Boehringer spricht. Es wäre aber auch damit zu erklären, dass es sich um die am besten dokumentierten Finanzmarktphänomene handelt, die zudem genau dann weniger auftreten, wenn mehr Menschen versuchen, von ihnen zu profitieren (trifft auf Momentum nicht zu).
Die Meinung von Warren Buffet bleibt deshalb interessant, weil viele Menschen ihr eine Bedeutung beimessen. Der Mann kann also dank seiner Medienpräsenz sich selbst erfüllende Prophezeiungen erschaffen. Da das Wort in dem Blog fiel: Auch Anhänger der Technischen Analyse versuchen, Prophezeiungen in die Welt zu setzen. Interessanterweise ist in vielen empirischen Studien belegt, dass Technische Analyse überhaupt nicht funktioniert – obwohl viele Investoren an sie glauben und sie auch einsetzen. Dieses Thema der empirischen Kapitalmarktforschung ist deshalb schon seit langem toter als tot.




Soll man sein Geld in Gold anlegen und wenn ja, wie viel?
Ich möchte versuchen, ein paar unaufgeregte Argumente in die Diskussion einzubringen. Vor allem möchte ich zeigen, dass es der Metaphysik nicht bedarf, um das Thema Goldinvestment zu diskutieren. Dazu nehme ich zunächst eine Vergangenheitsbetrachtung vor und bemühe die Portfoliotheorie. (Das soll natürlich nicht heißen, dass ich erwarte, die Zukunft würde genauso wie die Vergangenheit werden, aber es bietet einen Startpunkt, um Annahmen über die Zukunft zu entwickeln.) Als Datengrundlage nehme ich amerikanische Kapitalmarktdaten (Aktien, Goldpreis, Inflation, Geldmengen, inflationsindexierte Anleihen) auf Monatsbasis, beginnend mit dem Januar 1970. Für die Zeit vorher fehlen mir einzelne Daten und macht die Analyse des Goldpreises auch weit weniger Sinn, da eine feste Bindung des Dollars an Gold bestand. Alle Ergebnisse sind regelmäßig auf annualisierter Basis angegeben.
Betrachtet man Gold isoliert, fallen zwei Dinge auf. Erstens hat Gold in dem gegebenen Zeitraum eine Rendite eingefahren, die sogar leicht höher als die Rendite von Aktien liegt (11,3% vs. 10,3%). Dies widerspricht zumindest teilweise Buffetts Kommentar, das Gold mangels Zinsen und Dividenden keinen echten Ertrag abwerfen würde. Das Zweite, was auffällt, ist, dass das Risiko von Gold, gemessen durch die Standardabweichung der Renditen (die „Volatilität“), mit 21,7% deutlich höher ist als die Volatilität des amerikanischen Aktienmarktes in der gleichen Periode (15,8%). Keine der beiden Anlageklassen ist in der Vergangenheitsbetrachtung also besser oder schlechter. Festzuhalten ist allerdings, dass die vielbeschworene Geschichte vom risikolosen Investment Gold ein Märchen ist. Gold ist zumindest riskanter als gestreute Anlagen in Aktien in Industrieländern, was vielen Menschen ja bereits als unverschämt riskant gilt. Die Zahlen sind übrigens nicht anders, wenn man die inflationsbereinigten Renditen von Gold betrachtet.
Ob Gold ein lohnendes Investment ist, hängt nicht vom absoluten Risiko der Anlageklasse ab, sondern davon, ob Gold zur Diversifizierung eines Portfolios beitragen kann. Um das zu beurteilen, muss man sich die Korrelation von Gold mit dem (Aktien-)Markt anschauen. Dazu wird die Überrendite eines Goldinvestments (Monatsrendite von Gold abzüglich der risikolosen Rendite in dem Monat; ich rechne mit dem kurzfristige Fed-Satz als risikolosem Zins) auf die Überrendite des Marktes regressiert (plus zusätzlicher Faktoren, die beispielsweise den Value und Smallcap-Effekt abbilden). Die Analyse zeigt, dass die Goldrendite unkorreliert mit dem Markt ist. Es ist also ein hohes Diversikationspotential gegeben. Zweitens weist das Modell eine positive Konstante („Alpha“) aus, auch wenn diese statistisch nicht verschieden von 0 ist. (Das ist auch nicht weiter überraschend. Sonst müsste man denken, dass sich Überrenditen durch Goldinvestments erwirtschaften ließen.) Insgesamt scheint es durch mögliche Diversifikationseffekte Sinn zu machen in Gold anzulegen. Ein Portfolio, das hälftig aus Gold und Aktien zusammengesetzt worden wäre, hätte beispielsweise eine weitaus geringere Standardabweichung als die jeweiligen Einzelinvestments (ca. 13%). Dadurch erhöht sich die (geometrisch gemessene) Rendite des Portfolios: Während man mit Einzelinvestments in Gold oder Aktien sein Vermögen seit Januar 1970 in etwa um den Faktor 44 gesteigert hätte, wäre es bei dem gemischten Portfolio der Faktor 65 (Der Geldwert sank gleichzeitig mit dem Faktor 6).
Das ist natürlich eine recht oberflächliche Analyse, weil ich vor allem viele andere Anlageklassen wie z.B. Anleihen nicht berücksichtigt habe. Aber diese groben quantitativen Ergebnisse sprechen wesentlich deutlicher für (eine Beimischung) Gold, als ich das vorher angenommen hätte. Man sollte allerdings bemerken, dass die Ergebnisse nicht besonders robust gegenüber verschiedenen Spezifikationen des Untersuchungszeitraumes sind. So waren die 70er Jahre außergewöhnlich gute Jahre für Gold. Was vielleicht an Nachholeffekten aus der Zeit des festen Tauschkurses liegen mag, die wir so in Zukunft nicht mehr erwarten können. Auch die Korrelation zwischen Aktien und Gold ( 0,06, nicht signifikant verschieden von 0) ist keinesfalls konstant über die Zeit. Phasenweise war sie auch stark positiv. Beispielsweise könnte eine lockere Geldpolitik für eine Inflation von Vermögensgegenständen auf breiter Front sorgen (Korrelation der Goldrendite mit Wachstumsraten der Geldmenge M2 beträgt +0,12).
Taugt Gold als (kurzfristige) Versicherung gegen Inflation? Auch dazu sei wieder kurz auf die Korrelationen verwiesen. Monatsrenditen von Gold sind positiv, aber nicht stark, mit der Inflation korreliert (0,13), Aktienrenditen sind zumindest in dieser kurzfristigen, weil monatsbasierten Betaachtung, nicht mit der Inflation korreliert. Auch hier werden die Ergebnisse von der Wahl des Zeitfensters beeinflusst. In den letzten acht Jahren waren die Korrelationen mit der US-Inflationsrate wie folgt: Gold 0,16; Aktien: 0,12 (nicht signifikant verschieden von 0); inflationsindexierte Anleihen 0,25. Eine elaboriertere Studie hat für die 70er Jahre festgestellt, dass Edelmetalle einen guten Inflationsschutz geboten haben, allerdings schlugen sich Immobilienbeteiligungen noch etwas besser. Grundsätzlich findet derjenige, der sich gegen Inflation versichern möchte, Produkte, die direkt an die Inflation gekoppelt sind und daher tauglicher sind als Gold. Dazu zählen inflationsindexierte Anleihen, ETF aufs Inflationsswaps oder Gewerbeimmobilien mit Verbraucherpreis-indizierten Mietverträgen. Alle diese Produkte haben auch den Vorteil, dass genau spezifiziert ist, welche Inflation eigentlich gemeint ist (USA? Europa? Indien?). Da Gold in Dollar gehandelt wird, müsste man für den Fall einer Inflation in Europa aber keiner wesentlichen Inflation in den USA ja auch noch darauf hoffen, dass sich die Wechselkurse so anpassen, dass der Kaufkraftverlust des Euros angemessen repräsentiert wird. Das sollte zwar so sein, muss aber nicht.




Ist Gold der ultimative „politische Hedge“? Hierzu ein Überlegung vorab: Eine Schwäche der klassischen Portfoliotheorie ist, dass die Annahme von konstanten Korrelationen zwischen den Anlageklassen über die Zeit in der Realität nicht zutrifft. Aktuell wird u.a. an Modellen geforscht, die eine Ansteckung („Contagion“) von Märkten berücksichtigten, also Zeiten in denen hohe Korrelation und negative Renditen auf breiter Front vorherrschen. Eine Vermögensklasse, die sich nicht anstecken ließe, wäre eine wertvolle Versicherung gegen solche (mglw. politisch initiierte?) Krisen.
Den Medienberichten der vergangenen Jahren ist zu entnehmen, dass wir uns a) in einer Finanzkrise befinden, b) dass Gold von vielen als „Krisenwährung“ angepriesen wird und dass c) der Goldpreis kräftig gestiegen ist. Wer würde dem nicht zustimmen? Auf der anderen Seite gab es im letzten Jahr einen kurzen Preisrutsch beim Gold und einen Anstieg der Preise von US-Staatsanleihen (trotz Downgrade) in Folge einer Kontraktion der Preise europäischer Anleihen und Aktien. Auch die Preise der oft positiv besprochenen Schwellenländeranleihen haben kurzfristig gelitten. Investoren haben bei Neuemissionen (Dänemark, Deutschland) von kurzlaufenden Staatsanleihen sogar negative Zinsen hingenommen. Dies scheint auf den ersten Blick eine überraschende Entwicklung zu sein. Wenn man sich aber die neuen Regulierungsvorschriften anschaut, wird das Bild vielleicht klarer (Die Preise an den Kapitalmärkten werden ja eher von institutionellen Investoren „gemacht“.). Bei Banken beispielsweise sorgen die neuen Basel III-Vorschriften dafür, dass sie mehr auf ihre Liquidität achten müssen. In Zeiten von Stress fragen sie gezwungenermaßen mehr liquide Anlagen nach und ziehen das Geld von anderen leicht veräußerbaren Vermögensgegenständen ab. Gewünscht sind dann kurzlaufende sehr wertstabile Titel, mit hohem Marktvolumen, die auch als Sicherheiten bei Zentralbanken hinterlegt werden können. Gold sollte in solchen Situationen also eher auf dem Verkaufszettel stehen, also auf kurze Sicht eher nicht als Versicherung gegen eine Ansteckung taugen.
Hier verlassen mich dann allerdings meine Daten und ich gebe zu, dass die Diskussion eher qualitativ weitergeführt werden muss – aber das geht ja sicher auch gewaltfrei. M.E. lassen sich für spezifische Krisenszenarien (Staatspleiten, Bankenpleiten, galoppierende Inflation) jeweils bessere Hedges als Gold finden – wenn auch Gold sich möglicherweise gut in vielen dieser Szenarien schlagen würde. Eine bestens belegte Hypothese ist doch, dass sich die Zukunft nicht annähernd voraussagen lässt. Und damit ist es auch nicht möglich, Gold als den „ultimativen Hedge“ zu identifizieren, sondern als einen möglichen von vielen. Diese Aussage mag zwar ein notorisch schlechter Aufhänger für den Verkauf von Büchern und Blogs sein, aber es ist lohnenswert, ihren Wahrheitsgehalt anzuerkennen. Denn aus Anlegersicht ergeben sich zwei Vorteile: Erstens ist Unsicherheit der treibende Grund, warum wir überhaupt erwarten können, mit der Anlage von Geld eine Rendite zu erzielen. Zweitens liegt man in einer unsicheren Welt mit naiven, heuristischen Vermögensaufteilungen, z.B. einer Gleichverteilung von Vermögen über verschiedene Anlageklassen, nie dramatisch falsch.




Wow, danke für den langen und durchdachten Beitrag, Moritz. Dass die Freischaltung manchmal eine Weile dauert liegt daran, dass ich von Webmart leider keine Mitteilung bekomme, wenn ein neuer Beitrag geschrieben wurde. Ich muss hier regelmäßig reinschauen und manchmal vergesse ich das. Du kannst mir auch gerne immer eine Mail schicken, denn auf solche schönen Beiträge will man ja nicht länger als nötig warten.

Ja, der Ton in der libertären Szene erschreckt mich auch immer mehr. Ich sitze jedoch als ehemaliger Extrem-Polemiker im Glashaus. Ich versuche daher jetzt erst mal selbst, immer weniger Steine zu werfen, oder diese zumindest weich einzuwickeln.

Bei den Zahlen der Inflation und der Teuerung (CPI) bin ich immer etwas argwöhnisch. Die Berechnung des Consumer Price Indexes erscheint mir doch höchst willkürlich und vor allem regierungsinteressengesteuert. Was denkst du? Auch bei der Frage der Geldmenge, die die Regierung in den USA ja schon seit Jahren nicht mehr veröffentlicht, bin ich kritisch. Wie wird da einberechnet, wenn die Zentralbank Kredite gibt oder Sicherheiten?

Zu Buffett: Seine Haupt-Methode ist ja die diskontierte Cash-Flow-Analyse. Ich habe das auch mal eine Weile für manche AGs gemacht, damals u.a. für Apple. Meine Quintessenz lautete: Alles eine weiche, schwammige Sache, denn man muss Gewinne schätzen, und wie Einstein so schön sagt: »Prognosen sind etwas sehr Schwieriges, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.«
Was Buffett aber auch immer gesagt hat war, dass man alle Eier in einen Korb legen muss, wenn man reich werden will.

Für mich sind Gold und Shorts auch ein guter Hedge zu meinem Job, denn wenn es keine ernstzunehmende Krise gibt, kann ich ja schön weiter Golfunterricht geben.



Kurz vorab an alle: Ich weiß, dass längere Beiträge neunmalschlau wirken können. Deshalb nur zur Sicherheit: Wenn ich keine Kritik provozieren wollte, würde ich die gar nicht erst veröffentlichen. Also bitte Leinen los!

Zum CPI: Es scheint so zu sein, dass die Umstellung auf eine, ich nenn's mal dynamische, Gewichtung der Waren im Korb zu geringeren Inflationsraten "geführt" hat. Es ist so, dass Preise von Waren, die als (partielle) Substitute fungieren, sich unterschiedlich entwickeln können. Dann kaufen Verbraucher im Allgemeinen mehr von der relativ günstigeren Ware. Dies wurde früher nicht berücksichtigt und führt mit großer Sicherheit zu einem Überschätzen der tatsächlichen Inflation. Unter der neuen Regel wird hingegen nicht berücksichtigt, dass die Qualität der substituierten Produkte ggf. höher war, also ein Verzicht auf Qualität und damit Nutzen eintritt, den man auch abbilden sollte. Ich finde das Vorgehen aber ok. Was Verbraucher tatsächlich kaufen, kann man relativ genau feststellen. Das wird durch regelmäßige, stichprobenartige Befragungen von Verbrauchern bewerkstelligt.

Zu den Geldmengen: Ich meine in M2, die ich u.a. oben benutzt habe, sind auch die Guthaben der Banken bei der FED drin. Das Giralgeld der Konsumenten sowieso. Es ist also schon ein relativ breites Maß. Warum M3 nicht mehr veröffentlicht (aber wohl berechnet!) wird, weiß ich nicht. Interessanter wäre die Ebene danach: Die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen. Das sollte wesentlich mehr Aussagekraft in Bezug auf die Inflation haben.

Unternehmensbewertung ist ja angeblich halb Kunst halb Handwerk. Da hast Du Recht, die Cash-flows kann ich genauso wenig vorhersagen wie die globalen Größen, die wir in der Portfoliotheorie bräuchten. Ist also herzlich sinnlos. Professionelle Analysten schreiben i.d.R. die kurzfristige Vergangenheit in die langfristige Zukunft fort und sind entsprechend wenig erfolgreich. Da gibt’s ganz schöne Studien.

Dafür, dass Du Human- und Finanzkapital integriert betrachtest, habe ich Dich schon mal gelobt. Die meisten Menschen teilen ihr Vermögen in viele (gedankliche) Konten ein und fällen dann Entscheidungen, die nur partiell optimal sind (wir nennen das „Mental Accounting“). Top-Beispiel ist immer noch die Enron-Pleite: Die Arbeitnehmer hatten dort im Durchschnitt 63% ihrer betrieblichen Altersvorsorge in Enron-Aktien angelegt. Als Enron pleite war, waren sie ihren Job und ihre Altersvorsorge los.

Bei den Shorts würde ich Dir auf die lange Sicht immer noch von den ETFs abraten, die auf täglicher Basis einen konstanten Hebel fahren. Dass kann langfristig dazu führen, dass die Aktien tatsächlich stark an Wert verlieren, aber Du nur wenig davon profitierst. Gerade in volatilen Märkten. Hier evtl. Mini-Futures bzw. Turbo-Zertifikate einsetzen. Was ist schon lustiger als mit einem Produkt der Commerzbank auf eben deren Untergang zu wetten? Vater Staat zahlt ja. Ansonsten wären TIPS noch eine zusätzliche Absicherungsmöglichkeit für Dich.


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