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Thema: Kein Golf: Erziehung


Hallo Frank,

ich denke, dass etwa fünf Mahlzeiten schon ausreichend sind, um die Essensportionen klein genug zu halten. Die meisten nehmen ihre Nahrung ja eher nur in zwei oder drei Portionen pro Tag zu sich.

So wie Wazuka seine Schilderungen ergänzt hat, vermute ich, dass dass mein Sohn mit seinem zweiten Hinweis recht hatte: Der kleine Wazuka mag den Fertig-Industrie-Pamps nicht. Mein Sohn hatte zum Beispiel noch nicht viele Zähne in dem Alter, aber er wollte unbedingt Stückchen im Essen haben, um kauen zu können.
In meinen Augen sollte man diese ganze Ernährungssache nicht so furchtbar wissenschaftlich betrachten: Wenn ein Kleinkind schon bei den Erwachsenen mitessen möchte, dann soll es das ruhig tun. Die meisten Ernährungsempfehlungen kommen doch sowieso von Alete und Hipp und die empfehlen natürlich aus gutem Grund ;-), die Kinder nicht vom Elterntisch essen zu lassen.

Grüße,
Susanne

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Susanne:
In meinen Augen sollte man diese ganze Ernährungssache nicht so furchtbar wissenschaftlich betrachten:


Das sehe ich sowieso genau so.



Susanne:
Mein Sohn hatte zum Beispiel noch nicht viele Zähne in dem Alter, aber er wollte unbedingt Stückchen im Essen haben, um kauen zu können.


Interessant. Unsere Sophia hat sich wochenlang geweigert, auch nur irgend etwas mit Stücken zu Essen. Heute will sie am liebsten immer unser Essen haben. Das ist gut für uns, denn es spart Arbeit. Nur mussten wir uns zumindest Mittags auf ihre Zeit einstellen, da sie bis wir essen würden, vor Schmacht vergangen wäre. (-:

HC



@ HCV

Hihi ... sind Kinder nicht herrlich?!
Meine Tochter wollte auch nie Stückchen im Essen haben, die hat ihr Essen immer unter den Gaumen gedrückt und dann langsam runtergezuzzelt. Ich brauchte Jahre, um ihr das abzugewöhnen. Vielleicht war das für sie ein Schnullerersatz, sie hat nämlich nie geschnullert.

Das mit den Essenszeiten habe ich ähnlich gehandhabt.

Grüße,
Susanne



@ Frank

Mittags um zwölf ist nicht sinnvoll. Absolute Regelmässigkeit ist sinnvoll.

Ständiges nebenher Essen bereitet wundervoll für die spätere Fast-Food Essenaufnahme vor.
Essen sollte in Ruhe eingenommen werden und nicht einfach irgendwann mal zwischendurch und schon gar nicht nebenher. Sonst isst du später nebenher bei der Arbeit, nebenher vor der Glotze, nebenher beim bummeln…
…geschmacklos, unkonzentriert, unreflektiert, ohne Genuss.

Eine Wissenschaft muss man trotzdem nicht draus machen.



Fatman:
Mittags um zwölf ist nicht sinnvoll. Absolute Regelmässigkeit ist sinnvoll.

Ich denke, Du weißt, dass ich mit "Mittags um Zwölf" diese Regelmäßigkeit meinte.

Die andere Theorie ist doch, dass feste Essenszeiten dazu führen, dass auch ohne Hunger gegessen wird. Weil halt Essenszeit ist. Und genau deshalb halte ich es nicht für sinnvoll, die Kids beim Essen anzuketten. Wobei ich ja zwei habe, die auch so brav da sitzen und essen. Ohne Druck.

Fatman:
Eine Wissenschaft muss man trotzdem nicht draus machen.

Richtig.

@wazuka: Dein Hilfeschrei hörte sich ziemlich akut an, ich las da was von Krankenhaus und so. Wenn ich das insofern richtig verstanden habe wären doch vielleicht auch unkoventionelle Methoden nicht ganz unangebracht, meinte ich. Aber Du kannst natürlich machen, was Du willst.

Darf ich Dich mal fragen, ohne es auch nur ansatzweise böse zu meinen:
Ihr seid beide berufstätig. Wenn Du sagst ".. bei uns läuft das soundso...", meinst Du damit, dass die Person, bei der Dein Kind tagsüber ist, diese Prinzipien umsetzt? Denn wenn ich das richtig verstehe ist Euer Kind ja die meiste Zeit nicht bei Euch.

Du mußt natürlich nicht darauf antworten. Kann sein, dass das Thema zu persönlich ist. Dann sorry.




@Fatman

»Unreflektiertes Essen«, gibt es sowas wirklich? Schrecklich!

Gruss

Frank


Zuletzt bearbeitet: 28.03.05 11:46 von fschmidberger


frank_tauber:
Darf ich Dich mal fragen, ohne es auch nur ansatzweise böse zu meinen:
Ihr seid beide berufstätig. Wenn Du sagst ".. bei uns läuft das soundso...", meinst Du damit, dass die Person, bei der Dein Kind tagsüber ist, diese Prinzipien umsetzt? Denn wenn ich das richtig verstehe ist Euer Kind ja die meiste Zeit nicht bei Euch.


Bevor ich darauf eingehe, erst mal die wichtige Entwarnung: Philipp ißt wieder gut und mit Appetit und nimmt auch inzwischen wieder zu. Es lag anscheinend einerseits an der langen Erkältung, die ihm wohl den Appetit verdorben hat, und andererseits, daß er mal wieder einen kleinen Entwicklungssprung gemacht hat. Er will jetzt nämlich aktiver mitessen, sprich, er braucht selber einen Löffel, mit dem er auf dem Teller rumklopfen kann. Seitdem macht es wieder Spaß, auch wenn es jedes Mal eine ziemliche Sauerei wird ;-)

Philipp ist 3 Tage pro Woche bei Oma und Opa, bei denen er sich sauwohl fühlt. Ist sozusagen sein zweites Zuhause. Oma und Opa machen natürlich nicht alles genauso wie wir, aber in Dingen wie Essenszeiten und Schlafenszeiten (also Tagesrhythmus) haben wir uns abgesprochen. Da wir uns immer mit Oma und Opa austauschen, ist die Vermittlung gemeinsamer Prinzipien kein Problem.

@ Susanne: ja, Philipp mag teilweise die "industrielle" Nahrung nicht so gerne, wobei da aber auch ein paar Favoriten dabei sind, die er mit Genuß mampft. Ihn bei uns mitessen zu lassen ist nicht so einfach, da es momentan nicht ausreicht, nur die Würze wegzulassen. Ohne Milchprodukte kochen ist eben schwierig. Wir werden jetzt aber langsam damit anfangen, so daß sich auch dieses Problem bald gelöst haben wird.

Viele Grüße, Thomas



Mein Artikel »Die Folgen der Erziehung beim Golf« ist nun in der Progolf erschienen und deshalb kann ich jetzt den Link veröffentlichen:
> Erziehung.pdf (900 kb)



Für die libertäre Zeitschrift »Eigentümlich frei« habe ich meinen Erzehungsartikel grundlegend überarbeitet und von den Golfbeispielen befreit.

> Erziehung.mp3 (ca 8 Min. und 6,6 MB)

Mit neuem Mikrophon und einigen Tricks (Schallschlucker, Popschlucker und Kompressor) ist die Audioqualität nun auch auf einem hohen Niveau.



Wieder mal ein neues Video von mir:
> Jenseits von Zuckerbrot und Peitsche


Zuletzt bearbeitet: 22.12.08 10:26 von Administrator


Ich habe neulich einen (Weihnachts)Film gesehen, in dem ein Kind eine Hauptrolle spielte, das von Ihrer Mutter frühzeitig über die Nichtexistenz des Weihnachtsmannes aufgeklärt wurde.
Ich habe mich sofort gefragt, was ich meinem Kind erzählen würde. Was sagen Sie als ein erfahrener Antipädagoge dazu? :)

Ps. ein gut gemachtes Video, das ich weiter empfehlen werde.
Vor allem ist toll, dass es niemand hört, wenn die Leute vor ihren Pcs rufen, dass man eine Verantwortung für die Kinder habe und, dass sie im Leben ohne (aufgezwungene) Führung nicht klar kämen.



Zuletzt bearbeitet: 18.12.08 07:05 von G_Dittberner_a


G_Dittberner_a:
Ich habe neulich einen (Weihnachts)Film gesehen, in dem ein Kind eine Hauptrolle spielte, das von Ihrer Mutter frühzeitig über die Nichtexistenz des Weihnachtsmannes aufgeklärt wurde.
Ich habe mich sofort gefragt, was ich meinem Kind erzählen würde. Was sagen Sie als ein erfahrener Antipädagoge dazu?

Die Antipädagogik gibt dazu meines Wissens keine Antwort, aber Ken Wilber: Das Durchlaufen der einzelnen Stadien (inkl. der magischen und mythischen) sind sehr wichtig. Ein Überspringen von Stadien ist nicht sinnvoll. Wir haben sogar einen Weihnachtsmann engagiert, der letztes Jahr super realistisch mit Bart, Kostüm und Sack kam. Natürlich haben wir ihn instruiert, keine Nummer von wegen »warst du auch schön brav?« abzuziehen.
Aber die Kinder sind meist viel schlauer als man glaubt. Josh sagte uns neulich, dass wir uns nicht so eine große Mühe geben müssen, weil er natürlich weiß, dass es den »Osterhasen und so« nicht gibt. Keine Ahnung, wo er das her hat.

Gruß Oliver

PS: Ich habe das Video jetzt mal bei Exposureroom hochgeladen. Die bieten die beste Qualität im Netz (Auflösung sogar in HD möglich).



Hallo Oliver,

schönes Video mit guten Ideen (auch wenn ich viele davon aus "Unconditional Parenting" wiederkannt hab).

Bei einem deiner praktischen Beispiele hab ich allerdings ein gedankliches Problem: Wie bringst du dein Kind gewaltfrei dazu, den Müll runterzutragen? Hier geht es ja nicht um "Grenzen ziehen", sondern ich will, dass das Kind aktiv seinen kleinen Teil zu einem funktionierenden Familienwesen beitragt. Das dabei im Einzelfall das Bedürfnis des Kindes nach Faulheit nicht erfüllt wird, kann ich als Elternteil nicht akzeptieren, da dadurch meine eigene Freiheit eingeschränkt wird: Ich muss es dann schließlich selber machen.

Selbst wenn man sich partnerschaftlich mit dem Kind auf dessen Pflichten im Haushalt geeinigt hat, wird es mehr oder weniger häufig vorkommen, dass das Kind einfach keinen Bock hat (sogar bei Erwachsenen soll das ja vorkommen...).

Was machst du dann?

Grüße,
Jürgen



Hallo Jürgen!

Wie bringst du dein Kind gewaltfrei dazu, den Müll runterzutragen?

Das geht nicht. Ich kann niemanden gewaltfrei dazu bringen, etwas zu tun. Ich kann ihn nur darüber informieren, wie er mein Leben bereichern kann, wenn er Lust dazu haben sollte. Kennst du das, was ich die Freiwilligekiets-Präambel genannt habe?

Hier geht es ja nicht um "Grenzen ziehen", sondern ich will, dass das Kind aktiv seinen kleinen Teil zu einem funktionierenden Familienwesen beitragt.

Ich kann nur von meiner Familie sprechen: Ich setze die Beziehung zu Josh nicht mit der zu anderen Menschen gleich. Wenn ich zum Beispiel in einer WG wohnen würde, würde ich vor Einzug mit allen Beteiligten klarstellen, wer was zu tun hat. Das wären dann Regeln, auf die man sich freiwillig einigt. Nachdem man sich darauf geeinigt hat, kann jeder auf die Einhaltung der Regeln bestehen.

Für mich käme ein potenzieller WG-Mitbewohner überhaupt nur infrage, wenn er bereit wäre, ein faires Regelwerk zu unterschreiben, in dem jeder ungefähr das Gleiche beiträgt, egal ob in Form von Arbeit oder Geld, eine Liebesbeziehung jetzt mal ausgeschlossen.

Wenn ich mein Kind genauso betrachten würde, hätte ich ein ganz schlechtes Geschäft gemacht, denn selbst wenn ich ihn ständig für irgendwelche Arbeiten einsetzen würde, könnte er ja nie das ausgleichen, was ich an Zeit und Arbeit in ihn hineinstecke.

Man muss einfach mal in sich hineinhorchen, wenn man möchte, dass das Kind den Müll runter trägt. Es ist wahrscheinlich weniger der Wunsch nach tatsächlicher Arbeitserleichterung, denn die ist ja unvorstellbar gering im Vergleich zur »Arbeitsbelastung«, die ein Kind mit sich bringt. Es ist wahrscheinlich eher der Wunsch nach Unterstützung. Es tut einfach gut, wenn das Kind hin und wieder etwas macht, was einem das Leben bereichert. Es gibt aus meiner Sicht eine bessere Strategie als diese Unterstützung einzufordern. Denn selbst wenn das Kind »der Pflicht« nachkommt, fühlt sich das lange nicht so gut an, wie wenn es das Kind aus eigenem Antrieb heraus macht.

Gestern hat Josh mein Auto gesaugt. Völlig freiwillig. Ich hatte eigentlich schon selbst damit angefangen, und dann sagte er: »Ich kann das doch machen.« Und dann hat er mit einer unglaublichen Ausdauer gesaugt. Aus der wirtschaftlichen Sicht war das eigentlich auch eher ein Schaden für mich: Ich habe eine ganze Hand voll Fünfziger in den Automaten schmeißen müssen, weil Josh mit seinen vier Jahren natürlich noch nicht sehr effizient saugt. Ich habe viel mehr Zeit als nötig an der Waschanlage verbracht. Und das Auto war nachher natürlich nicht so sauber, als wenn ich es schnell selbst gemacht habe. Aber mir war sofort klar, dass der Genuss des Gefühls, dass mein Sohn mein Leben bereichern will, viel wertvoller war.

Oft treibt einen auch die Angst, dass das Kind vielleicht nicht richtig auf den Alltag vorbereitet wird, wenn es Zuhause gar keine Pflichten kennen lernt. Aber ich will gar nicht, dass Josh irgend etwas in seinem Leben tut, weil er es muss. Natürlich möchte ich, dass er lernt, Belohnungen aufzuschieben. Man lernt jedoch nicht Belohnungen aufzuschieben, wenn man Gehorsam gegenüber Befehlen ist. Man lernt Belohnungen aufzuschieben, wenn man Sport treibt, ein Musikinstrument erlernt (ich muss üben, um besser zu werden), puzzelt, sich um die Freundschaft anderer Menschen bemüht und so weiter.

Ein Beispiel noch zum Tischdecken, weil das auch oft gefragt wird: Auch hier verlangen wir nichts. Aber manchmal ist es auch umgekehrt. Josh hat kein Besteck bekommen und er sagt: »Ich habe kein Besteck.«
Wir antworten: »Das ist blöd, weil du die heißen Nudeln nicht mit den Fingern essen willst, oder?«
Er (mit etwas leidender Stimme): »Ja!«

Jetzt kann es oft sein, dass er Besteck mit einem Ton und Worten einfordert, die uns keine Lust machen, ihm die Arbeit zu ersparen. Dann kann es sein, dass ich sage:
»Du hättest gerne etwas Unterstützung und möchtest, dass ich dir jetzt das Besteck hole. Ich bin jetzt aber selbst etwas müde und sehr hungrig und möchte deshalb jetzt nicht mehr aufstehen. Ich würde dich bitten, dir dein Besteck selbst zu holen.«

Natürlich reden wir nicht immer so gespreizt, sondern oft in Straßengiraffisch (ein Wort von Rosenberg, soll heißen: gleiche Gesinnung, weniger Worte).

Manchmal stehe ich aber auch auf und hole ihm das Besteck. Aber nur dann, wenn ich es gerne mache. Wenn ich es mit Groll tue, hilft das weder mir noch ihm, weil er dann später einen Preis zahlen müsste.

Ich hoffe meine Antwort kam jetzt nicht zu belehrend rüber. Ich habe nur versucht darzustellen, wie ich die Dinge handhabe, ohne jeglichen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder einen missionarischen Hintergrund. Kam das so bei dir an?

Liebe Grüße
Oliver

PS: Eins ist mir noch eingefallen. Josh hat sehr früh raus bekommen, wie er die Wahrscheinlichkeit erhöht, etwas zu bekommen. Wir hatten zufälligerweise gerade Gäste als Josh mit zwei Jahren das erste mal sagte: »Du Mami, wenn du mein Leben bereichern willst, dann könntest du …«
Das zusammen mit dem richtigen Blick nimmt einem jeglichen Willen, die Bitte abzuschlagen.


Zuletzt bearbeitet: 18.12.08 16:17 von Administrator
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>Perfekte Rundenanalysen von Jörg Sobetzki