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Thema: Kein Golf: Erziehung


Hallo zusammen!

Aus nahe liegenden Gründen interessiere ich mich jetzt immer mehr für das Thema Erziehung und würde gerne eure Meinung dazu hören:

Was haltet ihr für besonders wichtig?
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht (als Eltern, aber auch als Kinder von Eltern)?
Welche Bücher fandet ihr interessant/lehrreich/gefährlich?
Was ist eurer Meinung nach das Ergebnis einer guten Erziehung?
Ab welchem Alter kann man eurer Meinung nach von Erziehung sprechen?

Gruß Oliver


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Hallo Oliver,

gehört das nicht unter „Filosofie”?

Auf die Schnelle:

1. Es ist wichtig Kindern deutlich Grenzen aufzuzeigen.
2. Für Kinder ist ein klarer Rhytmus im Tagesgeschehen wichtig.
Zusamengefasst: Kinder brauchen Stabilität und Sicherheit um sich entfalten zu können.

Kinder sollten möglichst frei in ihrem Bereich agieren können. Kein Vorzeigen, kein richtig/falsch demonstrieren. Hier sind „Pickler” und „Hengstenberg” interessante „Vorbilder”.

Das Ergebnis einer guten Erziehung: Das Kind kann sich in wechselnde Situationen einfinden und sich an Regeln halten. Innerhalb seiner Grenzen kann es optimale Selbstständigkeit und Kreativität entwickeln.

Ich denke von „Erziehung” kann man schon ab ca. 6 Monaten sprechen.

Angeblich hat die elterliche „Erziehung” nur einen geringen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes. Macht Angst und lässt hoffen.
Ausserdem glaube ich an eine „Vorbildfunktion” und die Kopierfähigkeiten von Kindern.



Moin allseits!

Dem kann ich in einigen Teilen beipflichten.

Nach meiner Meinung beginnt Erziehung mit dem ersten Tag. Je früher ein Erziehungsimpuls ansetzt, desto tiefgreifender der Erfolg.

Ich denke, der ganze Begriff "Charakter" oder "Wesen" wird in einer Phase anerzogen, von der die Eltern noch nicht glauben, dass sie mit ihrem Verhalten größere Dinge bewegen können.

Auch unsere Kinder haben so etwas wie prägende Phasen - erinnert Euch an Konrad Lorenz - nur sind diese wesentlich differenzierter und in der zeitlichen Abfolge nicht festzulegen.

Die beiden vorherrschenden Erziehungs- oder auch Lernmodelle sind primär das Lernen am Erfolg und sekundär über Vorbildfunktion.
Unseren gesamten Tagesablauf können wir durch Lernen am Erfolg kennzeichnen, somit haben wir auch einen guten Zugang zu unseren Erziehungsmodellen.

Für uns Eltern ist es dementsprechend von großer Wichtigkeit, uns vom ersten Tag an so zu verhalten, wie wir es auch für die Zukunft gedenken zu tun und unsere Erziehungsziele in Modelle wie Lernen am Erfolg zu verpacken.

So kann mit Gelassenheit und viel Liebe ein selbständiges Wesen in unsere Welt gebracht werden, dem die nötige Nestwärme durch alle Krisen helfen kann.



Oliver,

Was haltet ihr für besonders wichtig?


Für Kinder ist eines das Wichtigste: sie wollen das Gefühl haben, geliebt zu werden. Und das unabhängig davon, ob sie den Vorstellungen der Eltern entsprechen oder nicht. Die Sicherheit, die Kinder erlangen, die wissen, daß sie immer bei dir aufgenommen werden, egal was sie angestellt haben, ist durch keine Methode zu ersetzen.

Als junger Vater hast du bestimmt Angst, etwas bei der Erziehung zu versäumen oder falsch zu machen, aber sei dir sicher, dein Kind vergibt dir auch.

Vielleicht löst du dich in diesem Fall mal von deiner analytischen Vorgehensweise uns stellst keinen 4-Jahresplan auf.

Egbert



Ich habe ein Erziehungs-Tip (für Kinder ab 1-2 Jahren), der oftmals vieles vereinfacht: Finde heraus, was die persönlichen Motivatoren Deines Kindes sind und verwende sie.

Wenn man als Eltern von seinem Kind möchte, dass es etwas macht, dann ist es leichter, wenn man dessen Motivator kennt und darüber argumentiert.

Beispiel Zähneputzen:
Welches Kind putzt schon gerne freiwillig Zähne? Bei meiner Tochter Svenja (3 Jahre) gibt es immer mal wieder Proteste. Wir haben herausgefunden, dass Svenjas Motivator der Wettbewerb ist. Daher brauche ich nur etwa folg. zu sagen: "Wer erster im Bad ist und mit Zähneputzen angefangen hat, gewinnt die Gold Medaille" und schwupps ist es kein Problem mehr.

Dies funktioniert natürlich nicht, wenn das Kind kein Interesse an Wettbewerben hat.

Interessanterweise ist meine Tochter auch logischen, rationalen Argumenten zugänglich. Auch das verwenden wir regelmäßig. Wir geben ihr dann eine logische Begründung, warum etwas zu tun ist. Wir hätten nie geglaubt, dass das funktioniert, aber es klappt.

Es gibt unendlich viele Motivatoren, man muß nur die richtigen finden und dann gehts ganz leicht:
Wir waren mal bei Freunden und die 3 jährige Tochter wollte weder Schal noch Mütze anziehen. Die Mutter erklärte, dass es kalt sei, dass sie sich ohne Schal und Mütze erkälte, dass sie dann krank werde und im Bett bleiben müsse. Das Kind interessierte das überhaupt nicht (kein Motivator Logik). Daraufhin erklärte es ihre Mutter genauso nochmal und nochmal. Natürlich wieder ohne Erfolg. Warum sollte es auch dieses Mal anders sein, schließlich wurde wieder derselbe (nicht vorhandene) Motivator angesprochen.
Ich versuchte den Wettbewerbs-Motivator, aber auch das schlug fehl. Dann sagte ich: "Also ich finde, dass Schal und Mütze ausgezeichnet zu Deiner Jacke passen und Du damit viel hübscher aussiehst und die anderen Kinder gucken Dich bestimmt neidisch an." Und siehe da, sie zog Mütze und Schal an. Ihr Motivator ist offensichtlich Eitelkeit.



Hallo,

zu 1. :
Hier stimme ich Fatman vollkommen zu.

zu 2. :
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Kindergarten viele Erziehungsvorgaben außer Kraft setzt und Kinder hier eine ungeheure Eigendynamik entwickeln. Das ist zum Einen gut so, zu Anderen aber auch frustrierend.

zu 3. :
Bücher habe ich keine gelesen.

zu 4. :
Ich denke Erziehung kann moralische Werte vermitteln. Wenn diese sich im alltäglichen Verhalten meines Sohnes wiederspiegeln, ist das schon ein Ergebnis einer guten Erziehung. Allerdings kann man, meines Erachtens, immer nur Grundlagen schaffen. Das Ergebnis selbst unterliegt zu vielen unbeeinflussbaren Faktoren. Jede noch so gute Erziehung kann in einem drogenabhängigen oder kriminellen Menschen enden.

Zu 5. :
Ab dem ersten Tag.

Gruß
Timo



dirkil:
Ihr Motivator ist offensichtlich Eitelkeit.


Hier bleibt dann lediglich die Frage, inwieweit man das fördern möchte.



Erziehung ist lernen aus dem Handeln der Eltern , nicht deren Reden.

Wenn Papa einen Vortrag, möglichst mit abschreckenden Bildern über Drogenkonsum hält, und gleichzeitig abends seine Bierchen zischt.

Wenn Mama predigt das Sohnemann mit beim Tischabräumen helfen soll, selber aber alles stehen läßt , weil ja gleich die Haushälterin kommt.

Die Eltern stolz auf das Kind sind, weil es selbstlos sein Pausenbrot geteilt hat, und stolz auf sich selbst sind, weil sie mit den neusten Steuertricks selbstlos ihr Geld nicht geteilt haben.

Eine weitere Möglichkeit im obigen Beispiel wäre es übrigens was Kind nach 2 maliger Aufforderung ohne Mütze und Jacke frieren zu lassen und hoffen, das es tatsächlich krank würde in der Hoffnung das es den Vorhersagen der Eltern dann beim nächsten mal mehr Glauben schenken würde.




Bodypeace:
dirkil:
Ihr Motivator ist offensichtlich Eitelkeit.


Hier bleibt dann lediglich die Frage, inwieweit man das fördern möchte.


Ich glaube nicht, dass das schon unter "fördern" fällt - vielleicht hätte es ja auch funktioniert, auf den Hinweis, dass die anderen Kindern "neidisch werden", zu verzichten. Das kann dirkil aber so auf die Schnelle nicht herausfinden. Dazu kommt ja noch, dass wenn Du die Motivatoren Deines Kindes kennst, das ja iel dosierter ansprechen kannst.

MfG,

Andreas



Meine "Erfahrungen" speisen sich zwar nur aus dem Beobachten anderer Eltern/Kinder, aber ich stimme Ralf voll und ganz zu.

Godehard



Ich denke, dass 99% aller Versuche, Kinder RICHTIG zu erziehen gehen schief. Schau mal die Erwachsene an, besonders die Lehrer;-). Ich empfehle eine möglichst vorbildliche Verhalten der Eltern und ein relativ frühes Entscheidungsmitrecht des Kindes. Man sollte nicht absichtlich Frust für das Kind erzeugen, durch das Bestehen auf das Recht der Eltern zu bestimmen.
Ich habe keine Bücher über Erziehung gelesen, weil ich einfach sehr argwöhnisch drüber bin. Und wenn ich was zufälligerweise im Fernseher über Erziehung und wie man mit problematischen Kindern umgeht gesehen habe, habe ich null Bezug zu den meisten Empfehlungen.
Mal sehen wie mein Sohn wird!. Aber bisher bin ich sehr Zufrieden.



Für Kinder ist eines das Wichtigste: sie wollen das Gefühl haben, geliebt zu werden

Unabdingbar, wenn man dem Kind das nötige Sebstvertrauen und Sicherheit für das Leben geben möchte.

Und die Liebe bzw. das zeigen der Liebe sollte schon deutlich vor dem 6 Monat einsetzen.
Das scheint jedem logisch, ist aber leider oft doch nicht der Fall. Denn Liebe drückt sich ja nicht nur in einem Lippenbekenntnis aus, sondern vielmehr auch in Taten.

Was hat ein kleines Kind davon, wenn Papa abends nach Hause kommt, aus 10 Metern winkt und sagt "Huhu!"? Sowas hab ich im Bekanntenkreis.

Qualität im Umgang, nicht nur mit Kindern, ist besser als Quantität. Wenn der Vater in der Woche praktisch keine Zeit hat, dann muss er sich am WE intensiv mit den Kleinen auseinandersetzen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ansonsten (ohne dass ich sagen will, er sieht es nicht so) gehe ich mit Ralf konform.

Und auch mit Dirkil, weil ich selber feststellen durfte, dass auch kleine Kinder Logik gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Aber eben nicht immer der Logik der Erwachsenen. Da muss man als Erwachsener mal überlegen, wie man sich selber als Kind gefühlt hat. Ist oft nicht so leicht, hängt sicher auch von der eigenen Art ab.

Vielleicht löst du dich in diesem Fall mal von deiner analytischen Vorgehensweise uns stellst keinen 4-Jahresplan auf.

Erziehung besteht ja leider aus vielen Schichten, deshalb gibt es kein Patentrezept. Geht es um allgemeine oder auch spezielle Verhaltensweisen.
Oder um Tätigkeiten, z.B. Hausaufgaben, Zähneputzen.

Dies sind z.B. zwei meiner Schwachpunkte als Kind gewesen. Viele Löcher und durchschnittliche Noten waren der Erfolg.
Ich selber habe noch keine Kinder, aber drei Nichten, an deren Entwicklung (nicht Zeugung/Entstehung) ich, wie auch der Rest der Familie, immer wieder beteiligt war/bin.
Und was Hausaufgaben und Zähneputzen angeht, bei diversen Babysitting-Sessions, habe ich eine genaue Vorstellung, wie es besser geht als bei mir.
Man muss sich eben drum kümmern und nicht von vornherein darauf vertrauen, dass es von Alleine klappt.

Kai



Eine der wichtigsten Regeln, die man so oft und so häufig beachten und befolgen sollte, wie es einem persönlich nur möglich ist, lautet:

Erkläre Kindern (und auch einer Vielzahl an Erwachsenen) nicht, was sie nicht tun sollen.

Erkläre und zeige Ihnen, was und wie sie es tun sollen.



wulsy:
Ich denke, dass 99% aller Versuche, Kinder RICHTIG zu erziehen gehen schief. Schau mal die Erwachsene an, besonders die Lehrer;-).


Ich bitte (als Ehemann einer Gymnasiallehrerin ;-)) dabei zu bedenken, dass in meinen Augen hier auch noch zwischen Grundschullehrern und Lehrern an weiterführenden Schulen unterschieden werden muss.

Meine Frau jedenfalls empfindet es als Zumutung, dass es in der 9.Klasse immer noch Kinder gibt, die im wahrsten Sinne des Wortes "unerzogen" sind. Die können sich in keine Gruppe einordnen, verhalten sich ihren Mitschülern gegenüber aufs Gröbste unsozial etc. Hier von "Schule" zu verlangen, "erzieherisch" tätig zu werden, ist einfach nur hanebüchen - aber kein Wunder, wenn man von den Eltern der Kinder auf die Aussage "Ihr Kind macht seine Hausaufgaben nicht" die Antwort bekommt, "Es ist ja auch Ihr Job, mein Kind dafür zu motivieren".

MfG,

Andreas





heuler:
Was ist eurer Meinung nach das Ergebnis einer guten Erziehung?
Gruß Oliver


Hast du dir diese Frage einmal selbst gestellt in der Analyse deiner Kindheit?

Vielleicht löst du dich in diesem Fall mal von deiner analytischen Vorgehensweise uns stellst keinen 4-Jahresplan auf.


Mach es doch einfach ganz natürlich im Konsens mit deiner Frau und gib dem Kind einfach Liebe und das Gefühl der Geborgenheit ohne diese Disziplinen.

Trage es auf dem Arm und zeigt ihm eure Welt, denn Kinder sind neugierig.

Laut deines Artikels kennst du dich ja in der Tierwelt aus, dann ist es ja nicht weit und alles so neu für dich.

Aus meiner >Multikulti< - Erfahrung kann ich nur hoffen, dass euer Kind genügend Freiraum
bekommt, sich auch selbst zu entwickeln.

Die Negerlein z.B. tragen ihre Kinder immer auf dem Rücken mit sich rum, ist eine tolle Sache für Mutter und Kind.

Erinnerst du dich? Und so soll es doch bestimmt nicht werden:>>ein Paar hatte ein afrikanisches Baby adoptiert und mit Suaheli-Unterricht angefangen, um das Kind zu verstehen, wenn es anfängt zu sprechen.<<

Vielleicht Schaut ihr auch mal bei Super-Nanny rein.

Kinder machen Spass und wir können mit ihnen jung bleiben.

gunter




Zuletzt bearbeitet: 21.03.05 14:31 von gunter
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