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Thema: Neue Sportart: IPSC


Dem Rat des Golfpsychologen Richard Coop folgend, fange ich fast jedes Jahr mit einer neuen Sportart an. Letztes Jahr habe ich meinen Segel- und Katamaranschein gemacht, und in diesem Jahr hat mich IPSC gepackt. Ich habe schon Anfang des letzten Jahres mit dem Großkaliber-Pistolenschießen begonnen, aber nur das klassische Präzisionsschießen auf eine statische Scheibe. In Deutschland muss man ein Jahr lang regelmäßig (18 Mal) schießen, bevor man sich eine eigene Waffe kaufen darf. Vor ein paar Wochen habe ich dann Videos bei Youtube entdeckt, die etwas viel Spannenderes zeigen:



So sieht ein typischer Pacours aus. Man bekommt Punkte für die Treffer und die werden durch die Zeit geteilt. Es kommt also auf Genauigkeit und Schnelligkeit an. Man bewegt sich dabei selbst und teilweise bewegen sich auch die Ziele (hier nicht zu sehen). Wenn man das sieht, kann man kaum glauben, dass so etwas in Deutschland erlaubt ist. Ist es aber. Natürlich gibt es bei uns wieder Auflagen, die es in anderen Ländern nicht gibt (man darf zum Beispiel beim Schießen nur gehen und nicht rennen), aber das mindert den Spaß nur marginal.

Beim statischen Schießen war ich nicht sonderlich talentiert. Ich habe angefangen mit einer Trefferquote von 50 Prozent (100 Ringe von 200 möglichen) und erreiche jetzt bei den besten Serien knapp 65 Prozent [Nachtrag vom 4.2.09: erstmals 78%]. Beim Duellschießen (d.h., weniger Zeit) bin ich besser. Da bekommt man eine etwas einfachere Scheibe, und da mache ich mehr Punkte.

Stefan Raab hat übrigens noch weniger Talent als ich:
http://www.prosieben.ch/schlagdenraab/videos/artikel/60103/
Sein Gegner hatte ungefähr meine Trefferquote. Aber ich glaube das Talentgequatsche des Schießleiters war eher dem Fernsehen geschuldet.

Gestern hatte ich meinen ersten Ausbildungsnachmittag beim IPSC. Und anscheinend besteht da noch Hoffnung auf nicht völlige Talentfreiheit. Im Moment erlerne ich eine komplexe Bewegung, und so etwas macht mir natürlich immer Spaß. Ich ziehe die Waffe aus dem Holster, lege dabei gleich den Finger an den Abzug, greife die Waffe dann extrem nah vor dem Körper mit einem für mich noch fremden und komplizierten Griff, strecke dann die Arme aus, wobei ich schon beim Ausstrecken mit Kimme und Korn ziele, dabei entsichere ich die Waffe (ich schieße mit einer Single-Action-Pistole) und beim Abziehen ist tatsächlich der gleiche Prozess gefragt, wie ihn Herrigel beim Bogenschießen beschreibt. Ein bewusstes Auslösen, wenn die Waffe im Ziel ist, funktioniert nicht gut. Man hält vielmehr die Waffe einigermaßen im Ziel, zieht dann langsam durch und lässt sich vom Schuss überraschen. Seit ich das so mache, treffe ich erheblich besser.

Morgen ist mein zweiter Ausbildungsnachmittag. Im Moment laufe ich noch nicht durch die Gegend, sondern über nur das Ziehen und das Laden und schieße auf mehrere Ziele. Wenn Profis das machen, sieht das so aus:



Wenn ihr glaubt, das sei aber schnell, dann schaut euch mal das an:



Das ist aber auch noch nicht das Schärfste, was ich gesehen habe. In den USA gibt es eine Disziplin, die dem nahe kommt, wie wir uns den wilden Westen vorstellen:



Interessant ist, dass auch der sagt, dass es solche Duelle nie gegeben hat. Die Kriminalität in der Zeit des wilden Westens war deutlich geringer als heute. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Kosten des IPSC sind mit denen des Golfens zu vergleichen. Man kann schon eine Waffe für 500 Euro bekommen oder ein paar Tausender ausgeben. Die laufenden Kosten sind durch die Munition auch ähnlich. Was den Spaß betrifft, verhält sich das normale Schießen zum IPSC wie Minigolf zum Golf. IPSC enthält so viel mehr Variablen, dass die Herausforderung, immer besser zu werden, einfach viel größer ist. Ich werde weiter berichten und vielleicht drehe ich auch einen Film über die Schiess-Schule meines neuen Lehrers. Mit Steadycam, Highspeedkamera, 35mm und drahtlosem Mikro müsste man da auch was hinbekommen, was es so über diesen Sport noch nicht gibt. Ihr merkt: Ich bin angefressen und ich kann jetzt wieder genau nachempfinden, wie sich Junggolfer fühlen und warum es dann im Leben gerade nichts Wichtigeres gibt.


Zuletzt bearbeitet: 04.02.09 20:35 von Administrator
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Oliver,

trainierst du jetzt schon für die Zeiten, nachdem das Gewaltmonopol durch die Voluntaristen abgeschafft worden ist, da man dann sein Eigentum gegen marodierende Versicherungsangestellte verteidigen muss?
Wie verhält sich diese neue Aktivität zu der von dir so intensiv propagierten Gewaltlosigkeit?

Nick




Lieber Nick,

du weißt doch schon, was ich antworten werde, aber ich mache es für dich trotzdem gerne:
Gewalt bedeutet, dass ich das Leben, die Freiheit oder das Eigentum eines anderen bedrohe. Das machen Politiker und alle, die sie mit ihren Stimmen unterstützen oder gar mit ihrer Arbeit (Beamte). Ich hingegen schieße auf einem privaten Clubgelände mit Billigung der Eigentümer. Das Gelände liegt außerdem so einsam, dass da noch nicht einmal ein Mensch lärmbelastet wird. Ich habe mir das Geld für Munition und Waffe ehrlich verdient, denn die Leute, die es mir gegeben haben, haben das freiwillig getan. Ich halte mich sogar an die bestehenden Waffengesetze, obwohl ich sie für falsch halte. Es gibt also, wie du siehst, keine Widersprüche zu meinen voluntaristischen Überzeugungen.

Liebe Grüße
Oliver



Hallo Oliver,
viel Erfolg beim Training. Diese Sportart ist ein toller Ausgleich. Zusätzlich zu Großkalieber kann Ich das Luftpistolen schiesen empfehlen. Ich betreibe seit Jahren beides.

Bis Bald
Andreas



Bei meinem vierten IPSC-Training hatte ich jetzt mal die High-Speed-Kamera dabei. Bei 1200 Bildern pro Sekunde kann man auch die Kugel sehen.
Der erste Schuss auf den Popper traf schon, allerdings fällt er am Anfang so langsam, dass man nach 0,33 Sekunden noch einen zweiten Schuss während des Falls abgeben kann.

http://www.golf.dreamhosters.com/videos/9mm-highspeed.mov (2 MB)



Ich habe kürzlich das erste Mal eine Desert Eagle mit 50AE-Patronen geschossen.



Mit der Highspeed-Kamera gelangen folgende tolle Bilder:



Die Waffe haut einen schier um, also den Schützen, meine ich — den Getroffenen sowieso. Hier das Video von zwei Schüssen:

deserteagle.mov (2 MB)

Hier die Munition im Vergleich. Die dritte von rechts schieße ich sonst (40 S&W), ganz rechts eine Kleinkaliber-Patrone.




Zuletzt bearbeitet: 26.03.09 22:21 von Administrator


ipsc.mov (15,5 MB)

Die Parcours, die ich im Training schieße, werden anspruchsvoller: Man gibt immer zwei Schüsse auf jede Scheibe ab und einen Schuss auf die Metallpopper. Die beiden Popper lösen hier bewegliche Ziele aus: der erste (nicht im Bild, aber beim fünften Schuss zu hören) einen »Mover«, der zweite einen »Turner«.


Zuletzt bearbeitet: 26.03.09 21:17 von Administrator


Die Waffe haut einen schier um, also den Schützen, meine ich — den Getroffenen sowieso. Hier das Video von zwei Schüssen:


Welchen Getroffenen meinst du?

Lieber Oliver, ich mache mir Sorgen um dich. Solltest du das Schießen nicht deiner Frau überlassen, die auch die Marmeladegläser aufmacht? Denn wenn du die Pistole nicht festhalten kannst, dann könnte sich durch die ungebremste Handbewegung (das ist kein Chipp!!!) noch ein Schuss lösen, wenn der schwarze Teufel zum Himmel zeigt, der dann wiederum eine weitere Rotation auslöst die dann wiederum ... weiter mag ich gar nicht denken!

Neulich habe ich einen bemerkenswerten Satz gelesen: "Muss noch etwas wichtiges erledigen, zum Sterben habe ich noch das ganze Leben Zeit!"

LG
Andreas



Welchen Getroffenen meinst du?

Es soll Fälle geben, in denen mit Waffen auf andere Menschen geschossen wird und nicht auf Scheiben, so wie ich das mache. Am häufigsten sind diese Fälle in Gesellschaftsorganisationen, in denen per Wahl oder Dekret eine Gruppe bestimmt wird, die den anderen sagen darf, wie sie zu leben haben. Diese Gruppe verpflichtet die anderen Menschen dann auch gerne dazu, Kriegsdienst zu leisten. Später werden die so ausgebildeten auch gerne in den Krieg geschickt. Es ist mir inzwischen zwar unbegreiflich, wieso die Menschen so einem Herrschaftssystem freiwillig zustimmen, aber die Indoktrinierungsanstalten, in die die Menschen, die in diesen Herrschaftssystemen leben, schon im Alter von sechs Jahren geschickt werden, leisten wohl den wichtigsten Beitrag.




Ich bewundere dich immer wieder, wie du solchen Provokationen ruhig entgegentreten kannst.
Eine Frage habe ich aber noch. Wirst du deinen Sohn zu Hause unterrichten?

Viel Spaß weiterhin beim Schießen. Die Aufnahmen sind beeindruckend wie immer.

gruß Stefan



Wenn Josh gerne in die Schule möchte, bin ich der letzte, der ihm das ausredet. Unser Leben würde definitiv einfacher, wenn er in die Schule ginge. Sollte er in der Schule sehr leiden und nicht mehr gehen wollen, werde ich versuchen, ihm dabei zu helfen, die Probleme zu lösen. Wenn all das nichts nützt, werde ich versuchen, ihm das zu ersparen, was ich durchgemacht habe. (Ich habe die Schule gehasst.) Ob ich so weit gehen werde, wie die Familie in Baden-Württemberg, in der jetzt beide Eltern nacheinander in den Knast müssen, weiß ich noch nicht. Thomas Zacharias hat immerhin schon vor Jahren ein Martyrer-Syndrom bei mir diagnostiziert. Und ich konnte seiner Argumentation damals gut folgen. Noch haben wir ein gutes Jahr Zeit. Vielleicht sind die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse bis dahin so instabil, dass sich kein Schwein mehr um Lapalien wie Schulschwänzen kümmert. Wer weiß?

Liebe Grüße
Oliver



Zurück zum Schießen: Sehe nur ich hier eine gewisse Doppelmoral?

http://www.heise.de/newsticker/Gotcha-Koalition-plant-Paintball-Verbot--/meldung/137455

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30249/1.html

PS: Seit einer Woche habe ich jetzt endlich meine Open-Pistole: > Bild





Wie immer fühlt sich die Matrix an ihre eigenen Regeln und Moralvorstellungen nicht gebunden.

Sicherlich wird auch bald das Spiel Räuber und Gendarm verboten.

http://www.blick.ch/news/ausland/polizist-schiesst-teenie-an-wegen-spielzeugwaffe-118877

Ich bin mal gespannt, wie lange man noch Cowboys von Playmobil kaufen kann. Gibt es die Hartz4 - Familie eigentlich schon von Playmobil?

Gruß
Hauke


Zuletzt bearbeitet: 13.05.09 21:50 von Administrator


Zurück zum Schießen: Sehe nur ich hier eine gewisse Doppelmoral?


Sehr schöne Waffe!



Hier ein erneuter Zwischenbericht:

Mein Enthusiasmus ist weiterhin ungebremst. Ich trainiere so oft es geht und mache von meinem niedrigen Ausgangsniveau beständig Fortschritte. Präzisionsschießen und schnelles Schießen sind jedoch zwei völlig unterschiedliche Disziplinen und erfordern verschiedene Talente. Mit meinen Fähigkeiten beim Präzisionsschießen bin ich sehr zufrieden, aber mein schnelles Schießen ist um Welten schlechter.

Wir haben am Samstag einen längeren IPSC-Pacours aufgebaut und mit vier Schützen jeweils acht mal beschossen. Mein Lehrer brauchte im besten Versuch 24 Schüsse und 18 Sekunden. In meinem einzigen Versuch, den man werten konnte, habe ich 39 Schüsse und eine Minute gebraucht. Es war zum Heulen. Ich habe jedoch eines gelernt: Wenn ich beim IPSC gut werden will, muss ich ganz anders trainieren. Es gibt zwei Disziplinen, die ich bis jetzt immer gemieden habe: Fallscheibe und Speedschießen. Bei der Fallscheibe schießt man aus 25 Metern auf fünf nebeneinander stehende Platten:



http://www.youtube.com/watch?v=wA1vKr2pZlI

In dem Video sieht man auch den Leuchtpunkt, den man in der offenen Klasse nutzen kann. Die Platten stehen in dem Video jedoch näher als 25 Meter, und je weiter sie weg sind, desto länger braucht man zum Zielen und Treffen. Der Schütze in dem Video braucht ca. 12 Sekunden. Bei Wettbewerben werden sechs Durchgänge geschossen und die Zeit addiert. Torsten Brinckmann, der zu den besten Schützen in Deutschland gehört und in meinem Verein trainiert, hat gerade gestern bei der Landesmeisterschaft ohne Leuchtpunkt einen Schnitt von unter 8 Sekunden geschossen. Der dritte (mein Lehrer) hat 11 Sekunden gebraucht.

Ich habe diese Disziplin auch immer gemieden, weil man im Training Unmengen an Munition verbraucht. Man kann da locker 500 Schüsse pro Stunde (knapp 100 Euro) verballern, weil man die Scheiben einfach an einer Schnur wieder hochzieht und keine Scheiben ranholen, auswerten und Löcher abkleben muss.
Bei dem typischen IPSC-Pacours sind Fallscheiben aber auch fast immer ein Bestandteil. Ich habe also gestern spontan entschieden, ohne Training einfach bei der Landesmeisterschaft teilzunehmen und habe (mit einem Totalaussetzer von 35 Sekunden) einen Schnitt von 17,18 Sekunden geschossen. Bei der Pistole ohne Leuchtpunkt wäre ich damit fünfter geworden. In meiner offenen Klasse war ich jedoch der einzige Teilnehmer und darf daher jetzt den Titel Landesbester tragen. Wer also gestern 17,17 geschossen hätte, hätte den Titel locker mit nach Hause nehmen können.

Die Veranstaltung hat mich jedoch ungemein motiviert. Ich habe ich jetzt einen schönen Grundlagenwert, um fleißig zu trainieren und beim nächsten Wettkampf besser zu werden. Und ich habe entschieden, an anderer Ausrüstung (teures Spektiv fürs Präzisionsschießen) zu sparen, und das Geld in Munition zu stecken. Weitere Berichte folgen. Ich muss jetzt zum Schießstand und Fallscheiben umlegen.


Zuletzt bearbeitet: 31.08.09 06:52 von Administrator
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>Perfekte Rundenanalysen von Jörg Sobetzki